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Vorwort: Worum geht es ?
Man könnte die Psychoanalyse eine weibliche Wissenschaft nennen. Sie beschäftigt sich vorrangig mit emotionalen Konflikten und Störungen. Und die Emotionalität gilt in unserer Kultur ja nun einmal als die bestimmende psychische Dimension der Frau. Aber die beherrschende Rolle spielt in diesem naturwissenschaftlich-technischen Zeitalter das ideologisch verherrlichte «männliche» Sachdenken. Auf dieses allein glaubt man sich verlassen zu dürfen, wenn unsere Gesellschaft vernünftig organisiert und die Zukunft geplant werden soll. Emotionalität erscheint demgegenüber als primär unvernünftig, blind, chaotisch. Von ihr befürchtet man Unordnung, Willkür, Verwirrung. Die Gemütsbedürfnisse sollen möglichst im privaten Bereich untergebracht werden. Hier mögen sich Gefühle und Triebregungen wie auf einer abgegrenzten Spielwiese entfalten. Die Einschränkung des emotionalen Bereiches ist traditionellerweise gleichbedeutend mit der kulturellen Einengung der Frau, der man diese psychische Seite als Geschlechtsmonopol zugeteilt hat.
Daß sich die Psychoanalyse überhaupt entwickeln und ausbreiten konnte, läßt sich nur so erklären, daß die soziokulturelle Unterdrückung der Emotionalität inzwischen Komplikationen stiftet und Widerspruch provoziert. Die Psychoanalyse ist in gewisser Hinsicht ein Symptom dieser Komplikationen und dieses Widerspruchs. Durch sie wurde offenbar, daß es viele Menschen nicht mehr aushalten, wesentliche Anteile ihrer Emotionalität zu verdrängen. Ihre dadurch bewirkten psychischen Gleichgewichtsstörungen machen sie unfähig, weiterhin glatt und angepaßt mitzufunktionieren. Selbst die ideologischen Zwänge totalitärer Gesellschaftsordnungen vermochten bzw. vermögen