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1. Sonntag im Advent (2. 12. 90) Matthäus 21,1-9Liebe Gemeinde!Bei diesem Einzug ist alles anders: Hier stehen nicht die Zehntausende Spalier; kein roter Teppich wird entrollt; es geht ohne Salutschüsse, Nobelkarossen und Polizeieskorte ab. Der hier einzieht, schüttelt keine Arbeiterhände; er trinkt keinen Sekt mit den Unternehmern. Hier geht es wesentlich ärmlicher zu. Und doch: Ein König reitet in seine Stadt! Er nimmt Jerusalem in Besitz. Wir können uns seiner Hoheit nicht entziehen. Matthäus zitiert prophetische Worte: Gottes Plan geht in Erfüllung; der ersehnte Heilbringer erscheint.Wir merken: Der einziehende König hält sich zu den Geringen. Er stellt sich auf die Seite der Machtlosen, der Ausgebeuteten, der Entrechteten. Er ist selbst arm, bedrückt und erniedrigt. Sein Weg führt ins Leiden. Zwar erhebt er nicht die Fackel der Revolution; doch als er in Jerusalem einzieht, gerät alles in große Aufregung wörtlich ist von einem Erdbeben die Rede! Denn wenn der König des Advents für das geringe Volk Partei ergreift, geht es an die Grundfesten der Gesellschaft.Warum kommt Jesus nicht hoch zu Roß und mit ein paar Streitwagen hinterher? Warum statt dessen auf einem Esel sitzend, auf dem Lasttier des kleinen Mannes? Will er Ti-iumphzüge und Militärparaden, Wachaufzüge und Zapfenstreiche lächerlich machen? Parodiert er alles Soldatische, die Macht, die sich immer so gern aufbläht? Offenbar meint er den Frieden ganz ernst; er lebt ihn; er wird ihn schaffen, indem er sich selbst drangibt.Seine Leute erkennen ihn. Sie gehen ihm voran und folgen ihm. Leute ohne Macht und Einfluß legen ärmliche Gewänder vor ihm auf die Strafte und treiben seinetwegen Baumfrevel. Sie singen Lieder vom Königtum de.s Messias und freuen sich, daß das Heil anbricht. Sie huldigen dem König.Nur die Führungsschicht hat sich nicht am Stadttor eingefunden. Staatsund Kirchenbehörde nehmen kaum von Jesus Notiz. Mancher versteht diesen König nicht und wendet sich von ihm ab: auch Ablehnung trifft ihn.