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Josef und seine Brüder In der staatlichen Sammlung moderner Meister in München hing im ersten Jahr nach dem Krieg mehrere Monate hindurch im Saal VI ein groítes Gemálde, vor dem sich oft Leute ansammelten. Es stellte dar einen kráftigen Mann in mittleren Jahren, der, ein starkes Lácheln um die festen Lippen, aus langen, tiefliegenden Augen auf eine Schar von Mánnern schaute, die gekránkt vor ihm standén. Es waren áltere Mánner von gehaltenem Aussehen, die Gesichter verschieden: offen, verknifíen, gewalttátig, behaglich. Eines aber hatten alle gemeinsam. Sie standén fest und satt da, bieder, überzeugt von sich und ihrer Sache. Es war offenbar ein übler Mifígriff vorgekommen, so daft sie mit Recht beleidigt, ja erbittert waren. Nur ein ganz junger Mensch unter ihnen, obwohl ihn die Polizisten im Hintergrund besonders scharf beobachteten, hatte nicht diese gekránkte Miene. Vielmehr schaute er aufmerksam und vertrauend auf den Mann mit den langen Augen, der hier sichtlich als Herr und Richter fungierte. Die Menschen des Bildes und ihre Erlebnisse muteten bekannt an und fremd zugleich. Ihre Kleider konnten auch heute getragen werden, doch war mit Sorgfalt alles Modische vermieden, so dafi man nicht erkannte, welchem Volk und welcher Zeit sie angehörten. Suchte man im Katalog nach dem Bild, so fand man unter Nummer 1437 als den Maler einen Franz Landholzer, als Bezeichnung des Bildes: „Josef und seine Brüder oder: Gerechtigkeit" (310X190). Von dem Maler Franz Landholzer waren andere Werke nicht bekannt. Der Erwerb des Bildes durch den Staat hatte Lárm gemacht. Der Maler war nicht sichtbar geworden. Er sei ein Sonderling, hiefí es, lebe vagabundierend auf dem Land, habe unangenehme, aggressive Manieren.