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Fünfter Teil
Das Leben mit Gott
500. Religion.
(T) Ein Dichter. Jean Paul (Richter), der echt deutsche Dichter und Erzieher, hat sich in seinen Schriften, besonders in seiner Erziehungslehre „Levana", oft mit religiösen Fragen beschäftigt und seiner Anschauung über Religion, Gottesglaube, Unsterblichkeit der Seele in schönsten Worten Ausdruck verliehen. So schreibt er z.B.: „Ohne Religion gibt es keine Einheit des Geistes. Sie ist das geistige Band des Charakters, in sie mündet jede Kraft, sie ist . . . so eigentlich der Mensch im Menschen." — „Religion ist das Höchste, muß auch den höchsten Rang in der Erziehung einnehmen." — „Religion ist der hohe Stil des Lebens." — ® Ein Denker. Eduard von Hartmann schreibt in seinem Werk „System der Philosophie im Grundriß" (VII. Band, Vorwort): „Die Religion ist nach meiner Überzeugung der höchste Kulturfaktor der Menschheit, der Mittelpunkt im Geistesleben des einzelnen und der unentbehrliche Grund für die sittliche Ordnung." — (3) Ein Naturforscher. Der berühmte Physiker Max Planck schreibt: „Religion ist die Bindung der Menschen an Gott. Sie beruht auf der ehrfurchtsvollen Scheu vor einer überirdischen Macht, der das Menschenleben unterworfen ist und die unser Wohl und Wehe in ihrer Gewalt hat. Mit dieser Macht sich in Übereinstimmung zu setzen und sie sich wohlgesinnt zu erhalten, ist das beständige Streben und das höchste Ziel des religiösen Menschen. Denn nur so kann er sich vor den ihn im Leben bedrohenden Gefahren, den vorhergesehenen und den unvorhergesehenen, geborgen fühlen und wird des reinsten Glückes teilhaftig, des inneren Seelenfriedens, der nur verbürgt werden kann durch das feste Bündnis mit Gott und durch das unbedingt gläubige Vertrauen auf seine Allmacht und seine Hilfsbereitschaft. Insofern wurzelt die Religion im Bewußtsein des einzelnen Menschen. Aber ihre Bedeutung geht über den Einzelnen hinaus. Nicht etwa hat jeder Mensch seine eigene Religion, vielmehr beansprucht die Religion Gültigkeit und Bedeutung für eine größere Gemeinschaft, für ein Volk, für eine Rasse, ja in letzter Linie für die gesamte Menschheit. Denn Gott regiert gleicherweise in allen Ländern der Erde, ihm ist die ganze Welt mit ihren Schätzen wie auch mit ihren Schrecknissen untertan, und es gibt im Reich der Natur wie im Reich des Geistes kein Gebiet, das er nicht allgegenwärtig durchdringt." — @ Ein Arzt. Der Chirurg Ferdinand Sauerbruch erklärte auf einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft von Ärzten und Geistlichen am 10. Oktober 1935 in Berlin: „Es gibt keine wirkliche ärztliche Kunst ohne die weltanschauliche demütige Bindung an Gott. Aus dieser Demut entspringt eine gewaltige Kraft, die wir haben müssen, um diesen unseren Beruf ausüben zu können in aller Verantwortung vor dem einzelnen Kranken wie vor unserem Volk. Das ist die Überzeugung jedes echten Arztes, der weiß, daß Seele und Körper eine Einheit sind, — auf manchen Gebieten der Medizin sogar mit betonter Überordnung des Seelischen über das rein Körperliche bis hin zu den Fällen, wo man von einer völligen Herrschaft der Seele über den Körper reden kann " —
1 Koch, Handbuch XII 1