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Das erste Buch der Makkabäer
Von P. Dionys Schötz
In der hebräischen Bibel ist uns keine Geschichtsdarstellung bewahrt, die über die Gesdücke der jahwegläubigen Gemeinde nach Esra und Nehemia (um 450) Aufschluß gäbe. Was diese aufgewühlte Zeit mit ihren politischen und geistigen Umwälzungen für die Gemeinde bedeutete, kann kaum erschlossen, geschweige denn geschildert werden, Dia griechische Bibel gibt uns im ersten Buch der Makkabäer eine Darstellung de,. Kämpfe, die durch die Religionspolitik des Antiochus Epipha nes ausgelöst wurden und die dazu führten, daß sich ein neues Herrschergeschlecht festsetzen konnte, die Familie der Makkabäer. Das Budi erzählt vom Priester Mattatias und seinen Söhnen. Es umfaßt vier Jahrzehnte vom Beginn der Regierungszeit des Antiochus Epiphanes (175) bis zum Tode des Makkabäers Simon (135). Kür die Regierungszeit des Johannes Hyrkanus, eines Sohnes des Simon, wird auf ein Chronikwerk verwieseii, von dessen Art und Inhalt wir nichts mehr wissen.
Der Erzähler schildert den Gewissenszwang, dem eine verschwindende Minderheit in einem hellenistisch gewordenen Judäa ausgesetzt war, sowie die Selbstbesinnung der gesetzestreupp Gruppen, die zu einer religiösen und politischen Wiedergeburt führte. Mattatias ersteht vor uns, der den offenen Widerstand wagte und sc den lähmenden Bann brach, unter dem die verwirrten und eingeschüchterten Altgläubigen litten. Die besondere Liebe des Verfassers gehört der Zeit und den Taten des Judas. Dieser erkämpfte nicht nur die Religionsfreiheit für sich und seine Anhänger, sondern sucäite sie auch dadurch zu sichern, daß er die hellenisti-sdien Bestrebungen im eigenen Volke gewaltsam unterdrückte. Die Neuweihe des Tempels ist ein glanzvoller Höhepunkt und das sichtbare Zeichen freier Religionsübung für die Altgläubigen. Gegen die nach dem Tode des Judas wieder erstarkende Hellenistenpartei behauptet sidi Jonatan in zähen und harten Kämpfen. Er erringt die politische Madit im eigenen Volke, steckt aber das Ziel sofort weiter, benützt klug die Thronstreitigkeiten und inneren Wirren des syrischen Reiches, kämpft hart um die politische Unabhängigkeit und erreicht sie. Die höchste priester-lidie und weltliche Macht, die bereits Jonatan innegehabt, wird vom Volk für Simon, den letzten der Makkabäerbrüder, bestätigt. Die Dynastie der Hasmonäer, wie sie nadi einem Urahn der Familie genannt wird, ist in die Geschidite eingetreten. Der Erzähler hat das Ziel seiner Darstellung erreidit und seine Absicht durchgeführt: das Werden der Dynastie in Wechsel vollen Kämpfen und harten Rüdcsdüägen zu schildern und den Leser zu staunender Bewundenmg, aber auch zu einer unbedingten Treue für das Gesetz zu ermuntern.
Die Sprache ist sdilicht, nüchtern, fast trodten. Nur selten erhebt sie sidi zu einem gewissen Schwung der Begeisterung. Eingesdiobene Lieder in der Form imd Ausdrucksweise ehrwürdiger Vorbilder untermalen die Bewunderung für den Helden, die Trauer über Not und Elend. Die Gesdiidite war ursprünglich in der hebräischen Sprache abgefaßt. Das vrird nidit nur von Orígenes und Hieronymus bezeugt, das läßt sich audi an dem Sprachcharakter der vorliegenden griechisdien Textgestalt feststellen, in der Übersetzungsfehler nachgewiesen werden können. Orígenes nennt audi den hebräischen Titel der Schrift, der wohl als „Gesdiichte des Fürsten des Gottesvolkes" gedeutet werden muß.
Der Verfasser hat die von ihm geschilderten Ereignisse kaum miterlebt. Er spridit davon, daß das ^rabmal zu Modein „nodi heute" zu sehen sei, er schaut zurück auf die Regierungszeit des Hyrkanus und verweist den Leser auf die amtliche Chronik. Die Darstellung dürfte um 100 v. Chr. verfaßt worden sein. Sie muß also auf Quellen beruhen. Im einzelnen können sie nidit mehr nachgewiesen werden. Die eingestreuten Briefe und Staatsurkunden können nicht als Originalurkunden im eigentlichen Sinne angesehen werden. Sie sind frei bearbeitete Stüdte im Stile von