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Die äußerste Grenze*Der Tod ist die äußerste Grenze aller Dinge.(Mors ultima linea rerum est.)Horaz, Episteln IIn Zeiten, in denen alles seinen annehmbaren Gang geht, nimmt der Mensch, der keine philosophischen Neigungen verspürt, das Leben so wie es kommt, das heißt, er zieht es vor, den beunruhigenden Fragen nach dem Sinn und Zweck dieses Lebens aus dem Weg zu gehen. Zwar sind wir, intellektuell gesehen, gern bereit anzuerkennen, daß der Mensch kaum mehr als das Zufallsprodukt einer langen und langwierigen Evolution ist und daß wir selbst infolge des Fortpflanzungstriebes unserer Eltern und - hoffentlich auch - ihres Wunsches, uns als Kind zu haben, ins Leben getreten sind, doch bezweifle ich, ob uns diese rationale Erklärung auch gefühlsmäßig befriedigen kann. Von Zeit zu Zeit kommen wir nicht darum herum, uns zu fragen, was für einen Sinn das Leben für den Menschen hat, ja ob es überhaupt einen solchen Sinn gibt. Freilich ist das kein Problem, das uns, wenn alles normal läuft, großes Kopfzerbrechen bereitet.In Krisenzeiten jedoch drängt dieses Problem, diese Frage nach dem Sinn des Lebens, in unser Bewußtsein. Je größer unsere Not, desto dringlicher wird diese Frage. Es ist, psychologisch gesehen, nur zu verständlich, daß wir erst dann nach dem Sinn unseres Lebens fragen, wenn wir bereits mitten in den Prüfungen und Leiden stecken, denn dann hat unsere Suche nach Antworten einen Zweck und ein Ziel. Wenn wir den tieferen Sinn des Lebens begreifen würden, dann, so scheint es, könnten wir auch die wahre Bedeutung unserer Leiden - und damit auch der Leiden anderer - ergründen, und das würde auch die brennende Frage beantworten, warum wir diese Leiden erdulden müssen und weshalb sie über uns gekommen sind. Wenn wir unsere Leiden im Lichte eines Lebensplanes so verstehen können, daß ihnen ein Sinn innewohnt oder daß sie zumindest einen notwendigen Teil dieses* Eingearbeitet in den ersten Teil dieser Arbeit wurden die ersten drei Seiten eines anderen Essays mit dem gleichen Titel, der sich mit dem Los der Überlebenden von Hiroshima auseinandersetzte. Diese Arbeit erschien in Midway 9 (Herbst 1968), Seite 3-25.11