Bővebb ismertető
1 Allgemeine Grundlagen
1.1 Stoff- und Entstehungsgeschichte
Die Orte, .in denen Schiller aufwuchs, sind Teil des Schauplatzes, auf dem sich Leben und Sterben des Räubers Friedrich Schwan abspielten, und manches spricht dafür, daß Schiller bereits als Kind mit dem Schicksal dieses Mannes vertraut wurde, »von dem damals durch ganz Würtemberg viel gesprochen wurde« (J. F. Abel, NA 42/15; vgl. Brandstätter 1984, S. 67- 93). Nähere Kenntnis davon erlangte er wohl erst durch mündliche Mitteilungen seines Stuttgarter Lehrers Jacob Friedrich Abel, dessen Vater als Oberamtmann in Vaihingen Schwan festgenommen hatte. Abel bezeugt solche Gespräche; auch ist zu vermuten, daß er die Räubergeschichte in seinen Vorlesungen als Exempel benutzte. Auch Abel hat dem Leben dieses berühmten Verbrechers eine ausführliche, historisch recht verläßliche Darstellung gewidmet (1787). Dadurch wurde ein langer Streit veranlaßt, ob Schiller das Manuskript Abels bereits vor der Niederschrift seiner eigenen Geschichte gelesen habe oder ob umgekehrt Abel erst durch Schillers Veröffentlichung zum Schreiben angeregt worden sei. Für die Abhängigkeit Schillers vom Abelschen Manuskript hat Carl Philipp Gönz argumentiert; seine Behauptung, Schiller sei »mit der Geschichte [ ] des schwäbischen Sonnen-wirths erst in Mannheim« anläßlich eines Treffens mit Abel bekanntgeworden (1822), hat zunächst Schule gemacht. Heute ist aber davon auszugehen, daß Abel seinen Bericht erst niederschrieb, nachdem er Schillers Erzählung gelesen hatte, also wahrscheinlich mit der Absicht, diese zu ergänzen und zu korrigieren (vgl. Stoeß 1913, S. 15 - 32; Heynen 1913, S. 10 - 12).
Nichtsdestoweniger kann die Abelsche Darstellung im großen und ganzen als die Dokumentation dessen verstanden werden, was Schiller von dem Stoff wissen konnte, wenn auch nicht auszuschließen ist, daß er Einzelheiten vergessen oder daß Abel in der schriftlichen Fassung Ergänzungen vorgenommen hat. Ein Vergleich der beiden Texte kann also dazu dienen, die Überformungen aufzuzeigen, denen Schiller das, was ihm als historische Faktizität bekannt war, unterzog, und so die spezifische Intentionalität der Geschichte zu verdeutlichen. Auf dieses Verfahren sind wir um so mehr verwiesen, als Reflexionen Schillers (oder anderer) über Konzeption und Fortgang der Arbeit an der Geschichte nicht überhefert sind.
Die Entstehung des Verbrecher aus verlorener Ehre ist eng mit dem Zeitschriftenprojekt der Thalia verknüpft; die Geschichte erschien im zweiten Heft dieser Zeitschrift (Berresheim 1914; Hocks/Schmidt 1975, S. 18 - 20). Damit sind-vermittelt über programmatischen Zweck und ökonomische Zwänge - Beziehungen zur zeitgenössischen Literaturgesellschaft gegeben, deren Studium ein bezeichnendes Licht auf die Geschichte wirft. Wir werden die Geschichte vom Verbrecher aus verlorener Ehre als Exempel massenwirksamer Aufklärung zu begreifen haben;