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HERBERT NACHBAR Zwei Jungen
Sobald Eugen Stresow den Kopf wendet, kann er der Familie Hirschfeld beim Essen zusehen. Er wendet den Kopf nur manchmal und dann verstohlen. Wie immer ist Beklemmung in ihm, hier in diesem Zimmer. Das Schreibpult des Freundes Robbie, der eigentlich Siegfried heißt, ist allein bald Grund genug, sich noch kleiner und erbärmlicher zu fühlen als sonst schon. Siegfried Hirschfeld hat ein Schreibpult für die Schularbeiten. Eugen Stresow macht seine Schularbeiten auf dem Küchentisch. Siegfried Hirschfeld wohnt in einem Haus mit bestimmt sechs Zimmern oder mehr. Und eines davon gehört nur ihm allein. Und an der Wand hängt ein Bild in breitem Goldrahmen. Darauf geht Herr Jesus mit einigen Jüngern durch ein Kornfeld, wie noch niemand ein Kornfeld sah, bald so aus Gold wie der Rahmen. Und zwischen den Fenstern hängt über einem gekreuzigten Herrn Jesus aus schwarzem Holz das Gesicht eines alten Mannes mit gelblichweißem Bart.
„Das ist mein Großvater", hat Bobbie gesagt. Damals war Eugen zum erstenmal in diesem Zimmer.
„Du kannst hingehen, wo du willst, mein Großvater geht mit. Er guckt überallhin, in die Ecke und in die Ecke, und wenn du dich auf 'n Ofen setzt—überall gehen seine Augen mit Das hat ein Kunstmaler gemacht."
Eugen bewunderte das Bild, machte die Probe, trat ein paar Schritte zur Seite: die Augen gingen mit.
„Guckt er durch den Tisch?" fragte er dann sachlich.