Bővebb ismertető
Einleitung
Tradition und Erneuerung der Arbeiterbewegung in Deutschland
Wer sind wir eigentlich?. Was bedeutet es „Deutscher" zu sein? Wodurch sind wir „definiert"? Solche Fragen werden erst seit einigen Jahren wieder — namentlich von Angehörigen der jüngeren Generation — gestellt. Große Teile der deutschen Bevölkerung verspürten nach der Niederlage der Naziarmeen und der Besetzung ganz Deutschlands durch die Sieger zunächst eher das Bedürfnis „keine Deutsche mehr" zu sein. Mit einem salto mortale sprangen sie aus der chauvinistischen Übertreibung des Deutschen in der Nazizeit in einen gesichtslosen Internationalismus. Sie wollten gute Europäer, bessere Amerikaner — oder im andren Teil Deutschlands — treue Bundesgenossen der Sowjets sein, aber keine Deutsche. Solche Flucht war verständlich, aber sie konnte nicht auf die Dauer durchgehalten werden. Europa konnte nicht zur Heimat werden, zumal es lange Zeit stagnierte und ein Zollverein noch keine Schicksalsgemeinschaft ist. Die Anpassung an amerikanische Lebensformen wurde zunächst als Befreiung empfunden, bald aber auch mit Skepsis betrachtet — von den älteren Deutschtümlern einmal abgesehen, die von vornherein „gegen alles Undeutsche" waren, womit sie insgeheim auch die Demokratie meinten. In der Abwehr gegen solche Engstirnigkeit mußten auch demokratische Patrioten zunächst die Weltoffenheit als wichtige Tugend hervorheben. Es ist keine Schande, von älteren Demokratien zu lernen, aber es ist auch nicht möglich, die eigne Identität aufzugeben. Auf dem Weg zu solcher Identitätssuche — so hoffe ich — werden auch die vorliegenden Reden und Essays von Willy Brandt hilfreich sein. Hier geht es nicht nur um die deutsche Identität, sondern um die der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die übrigens einmal international bewundertes Vorbild war. Eine mehr als hundert Jahre alte Organisation, die zugleich eine Gesinnungs- und Kampfgemeinschaft ist, hat ihre eigene und eigentümliche Identität. Im modernen Wahlkampf, der immer mehr den Professionals der Werbung überlassen wird, verlieren die Parteien oft ihr Gesicht und damit ihre unterscheidbare Eigenart. Da kann es passieren, daß im Namen der regierenden sozialdemokratischen Partei zufrieden auf die relativ gute Lage des Landes verwiesen wird, während die konservativen Heraus-