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EINE STUNDE BEI UNS SELBST
Pastoral-aszetische Erwägungen für den Prediger^)
Von Dr Engelhard Busch OFMCap, Münster
Die apostolischen Eigensdiaiten des Predigers
Die göttliche Reditsgrundlage für unseren Dienst am Worte Gottes wurzelt letztgültig in der Menschwerdung des ewigen Wortes, in der Sendung des göttlichen Sohnes durch den himmlischen Vater. Als der Sohn führt Jesus Christus im Hl Geiste ein ewiges Liebesgesprädi mit dem Vater, als der Mensch-gewordene bezeichnet er sich immer wieder als Gesandten des Vaters (vgl Jo 4, 34; 5, 24. 30; 6, 29. 38. 44; 7, 16. 29. 33; 8, 16. 29. 42; 10, 36; 12, 44. 49; 14,24; 15,21). Diesen seinen Sendungsauftrag gibt er kraft eigener Autorität an seine Jünger weiter (vgl Jo 17, 18; 20, 21).
Tatsädilidi berufen sich die Urapostel und auch die auf dem Fundament der Apostel erbaute Kirche zur Begründung ihres Verkündigungsanspruches auf diesen Sendungsauftrag Jesu Christi; und die Kirche gestattet nur denen die offizielle Ausübung des Predigtamtes, denen ein Nadifolger der Apostel, sei es der Papst se'lbst oder ein katholischer Bischof, die sogenannte „Missio", die Sendung zur Wortverkündung verliehen hat (vgl Denz. 434; 594; 853; CIC can 1328; 1337; 1340). In diesen kirchlichen Entscheidungen und Gesetzen darf man aber keine bloße Rechtsformalität sehen. „Was hier im juridischen Gewände erscheint, ist die ursprüngliche, niemals unterbrochene apostolische Sendung Jesu Christi selber, in ihr liegt nichts CSeringeres als der erste Auftrag des Herrn: Gehet hinaus in alle Welt und predigt das Evangelium" (Mk 16,15)^.
Wenn daher der Prediger Gottes Wort verkündet, ist er nicht mehr Privatperson, sondern eine mit göttlidier Sendung ausgestattete kirchliche Persönlichkeit. „Die ganze Weihe und Bedeutung seines Wortes liegt in seiner Sendung; durch diese wird er ein Glied der goldenen Kette, die bis auf Christus zurückführt^." Diese Tatsache aber fordert vom Prediger apostolische Eigenschaften, wie der Gottgesandte schlechthin, wie Jesus Christus sie besessen hat.
1. Apostolisches Sendungsbewußtsein
„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" (Jo 20, 21). Dieses Wort des Herrn gilt allen, die in der Nachfolge der Apostel Gottes Wort verkünden. Durch die Sendung der Kirche haben sie Anteil an der Verkündigungsautorität des gottgesandten Herrn Jesus Christus. Sie sind Gottes Gesandte, Gottes Boten, Sprecher und Anwälte vor dem Volke. Hinter ihren Worten steht die Autorität
' Die folgenden Ausführungen sind kurze Auszüge aus einer Arbeit mit dem Titel: Die Verkündigung des Wortes Gottes — Eine homiletische Studie im Anschluß an das Evangelium des hl Johannes. Die Beschränkung des Materialobjektes auf das joh. Schrifttum hat darin seine bes. Bedeutung, auch Schrifttexte, die keine direkten pasto-ralen Anweisungen für die Predigtdienste enthalten, für das Verkündigungsethos fruchtbar zu machen.
^ A. Well DP, Das Sein des Predigers, in: Predigt und Prediger in der Zeit, Referate der 5. Wiener Seelsorgertagung, Innsbruck 1936, S. 66.
' Schleiniger, Das kirchliche Predigtamt, Freiburg 1864, S. 47.
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