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GRUSSWORT ZUM GUTENBERG-JAHRBUCH 2010
An Weihnachten 2009 wurden beim Internetbuchhändler amazon.com zum ersten Mal mehr elektronische Bücher verkauft als gedruckte. Wenn sich diese einmalige Spitze in den Verkaufszahlen von E-Books auch dadurch erklären ließ, dass zum Weihnachtsfest sehr viele E-Book-Reader verkauft wurden, auf die nun die elektronischen Bücher gespeichert wurden, so ist doch dieses Ereignis von symbolischer Bedeutung für den Medienwandel der Gegenwart. Zum Osterfest 2010 lieferte die Firma Apple 300 000 neue iPads aus, für das zweite Quartal 2010 wird ein Absatz von 700 000 Exemplaren prognostiziert. Mit der gewohnt komfortablen Benutzung der Apple-Produkte, der allgemeinen Akzeptanz der Applications für das iPhone und dem nun größeren Format der Lesefläche wird sich der spürbare Wandel von der gedruckten Zeitung, Zeitschrift und vom Buch hin zur elektronischen Präsentation erneut verstärken. War das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts vom Vordringen elektronischer Publikationen vor allem im Bereich der Wissenschaft und von der stetigen Entwicklung von praktikablen E-Book-Readern bestimmt, so wird das zweite Jahrzehnt durch die sich überschlagende Entwicklung bei diesen Geräten und die sich verändernden Lesegewohnheiten auch im Bereich von Belletristik, Sachbuch und Zeitung bestimmt sein.
Bereits im Jahr 2000 zeichnete die Internationale Gutenberg-Gesellschaft den Pionier dieser Entwicklung, den Erfinder von Electronic Ink, Prof. Dr.JosephM. Jacobson vomMiT in Cambridge/ma, mit dem Gutenberg-Preis aus, getragen von dem historischen Wissen, dass sich eine Medienrevolution immer auch an der Veränderung der »Beschreibstoffe« orientiert. Der Wandel vom Pergament zum Papier ermöglichte erst die Massenkommunikation Gutenbergs, die neue Form von elektronischem Display bewirkt
heute den rasanten Wechsel hin zur digitalen Information. Wir freuen uns sehr, dass Prof. Jacobson unserer Einladung gefolgt ist und zum 10. Jahrestag der Gutenberg-Preisverleihung selbst einen Beitrag über die Entwicklung von Electronic Ink und Electronic Paper sowie der Umsetzung in E-Book-Reader für dieses Jahrbuch geschrieben hat (S. 233).
Alle Medienfächer der Johannes Gutenberg-Universität, die Institute für Buch-, Film-, Theaterwissenschaft, Publizistik und Journalistik, Medienpädagogik, Medienrecht und Medienökonomie haben sich zu einem Forschungsschwerpunkt »Medienkonvergenz« zusammengeschlossen, um die inhaltlichen, rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen dieses Medienumbruchs der Gegenwart zu analysieren und die Folgen zu prognostizieren. Auch im Gutenberg-Jahrbuch werden wir diese Entwicklung kritisch begleiten und darüber berichten.
Zwei historische gesellschaftliche Umbrüche werden in diesem Gutenberg-Jahrbuch 2010 vorgestellt: Christoph Brix analysiert die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen des Mainzer Bürgertums in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts und bietet damit die Folie für die Resonanz der Erfindungen Gutenbergs in Mainz. Einem ganz anderen Thema widmen sich die Verleger und Buchhistoriker Prof. Dr. Hans Altenhein und Dr. Christoph Links, die anlässlich der Jahresversammlung der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft 2009 in einem Doppelvortrag die politische und gesellschaftliche Umbruchsituation bei der sogenannten »Wiedervereinigung« Deutschlands 1989 beschrieben und dabei besonders die Folgen für den Buchhandel berücksichtigten, die sich abzeichnenden Umbrüche seit 1987 sowie die vergebenen Chancen und die gut genutzten Möglichkeiten zur Bewahrung und zum Aufbau neuer Verlage.