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I. Aus ordentlichem Haus ein unordentlicher Mensch
Am 21. Juli 1893 wird dem Landrichter am Greif swalder Landgericht Wilhelm Bitzen und seiner Ehefrau Elisabeth der erste Sohn geboren. Sie nennen ihn Rudolf. Rudolf Ditzen wird sich später Hans Fallada nermen.
Niemand kaim sich seine Familie aussuchen, aber manchmal wenigstens seinen Namen. Diese Familie Ditzen ist wohlgeraten, dies aber ist ihr ungeratener Sohn. Als er siebenundzwanzig-jährig seinen ersten Roman veröffentlicht, will er ihr das nicht auch noch antun: einen Schriftsteller hervorgebracht zu haben. Der wissenschaftliche Hilfsarbeiter der Kartoffelbaugesellschaft Berlin wendet sich vorher an das zuständige Gericht mit dem Antrag, einen Künstlernamen führen zu dürfen. Er hat da für einen jungen Mann und Sohn eines Reichsgerichtsrates — denn das ist der Vater inzwischen geworden — schon allerhand hinter sich: körperliche und seelische Unglücksfälle, anonyme Briefschreibereien, ein verpatztes Abitur, Aufenthalte in Heilanstalten, die Tötung eines Mitschülers, Gefängnis, Alkohol, auch Morphium, Versuche, in der Landwirtschaft Fuß zu fassen. Es wird noch einiges hinzukommen. Doch auch das wird zu seinem unbürgerlichen Leben gehören: Literatur, Schreibbesessenheit, eine lange Reihe von Büchern. Darunter das halbe Dutzend Romane aus seinen Jahren als Hans Fallada, die dauerhafte Chroniken deutscher Zustände und große Geschichten kleiner Leute werden und in denen er vorsichtig immer wieder auch die eigene bürgerliche Deklassierung ins Spiel bringt.