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Heinrich Böll - Haus ohne Hüter [antikvár]
 
Wenn die Mutter in der Nacht den Ventilátor laufen liefi, wurde er wach, obwohl die Gummiflügel dieser Luftmühle nur ein weiches Geráusch erzeugten: fluppendes Surren und manchmal ein Stocken, wenn die Gardine zwischen die Flügel geriet. Dann stand die Mutter auf, zog leise fluchend die Gardine aus dem Getriebe und klemmte sie zwischen die Türen des Bücherschranks. Aus grüner Seide war der Schirm von Mutters Stehlampe: wasserhelles Grün, gelb unterstrahlt, und das Glas rőten Weins, das auf dem Nachttisch stand, erschien ihm fast...
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Wenn die Mutter in der Nacht den Ventilátor laufen liefi, wurde er wach, obwohl die Gummiflügel dieser Luftmühle nur ein weiches Geráusch erzeugten: fluppendes Surren und manchmal ein Stocken, wenn die Gardine zwischen die Flügel geriet. Dann stand die Mutter auf, zog leise fluchend die Gardine aus dem Getriebe und klemmte sie zwischen die Türen des Bücherschranks. Aus grüner Seide war der Schirm von Mutters Stehlampe: wasserhelles Grün, gelb unterstrahlt, und das Glas rőten Weins, das auf dem Nachttisch stand, erschien ihm fast wieTinte: dunkles, tráge aussehendes Gift, das die Mutter in kleinen Schlucken nahm. Sie las und rauchte und nahm nur selten einen Schluck Wein. Er beobachtete sie durch die halbgeöffneten Lider hindurch, rührte sich nicht, damit sie nicht aufmerksam auf ihn werde, und verfolgte den Zigarettenqualm, der sich zum Ventilátor hinzog: weifie und graue Rauchschichten, die vom Sog erfafit, zerkleinert und von den weichen grünen Gummiflügeln hinausbefördert wurden. Der Ventilátor war groB wie die Ventilatoren in den Warenháusern, friedlicher Surrer, der die Luft im Zimmer in wenigen Minuten reinigte. Dann drückte die Mutter auf den Knopf, der neben ihrem Bett an der Wand war, dort, wo das Bild des Vaters hing: láchelnder junger Mann mit Pfeife im Mund, viel zu jung, um der Vater eines elf jáhrigen Jungen zu sein. Der Vater war so jung wie Luigi im Eissalon, so jung wie der ángstliche kleine neue Lehrer; viel jünger als die Mutter war er, die so alt war wie die Mütter anderer Jungen. Der Vater war ein láchelnder Jüngling, der seit einigen Wochen auch in seine Tráume kam, anders als er auf dem Bild war: traurig zusammengesackte Gestalt, die auf tintigem Klecks wie auf einer Wolke safi, ohne Gesicht, und doch weinend wie einer, der schon Millionen Jahre wartet, in Uniform ohne Rangabzeichen, ohne Orden, plötzlich in seine Tráume eingebrochener Fremdling, der anders war, als er ihn sich gewünscht hatte. Wichtig war, still zu haltén, kaum zu atmen, die Augen nicht zu öffnen, denn dann konnte er an den Geráuschen im Hause erkennen, wie spát es war. War von Glum nichts mehr zu hören, dann war es halb elf, war von Albert nichts mehr zu hören, war es elf. Meistens aber hörte er Glum noch im Zimmer darüber: den schweren ruhigen Schritt, oder Albert, der im Zimmer nebenan bei der Arbeit leise pfiff, und oft kam Bolda noch spát die Treppe herunter, um sich untén in 5

Termékadatok

Cím: Haus ohne Hüter [antikvár]
Szerző: Heinrich Böll
Kiadó: Ullstein Buchverlag GmbH
Kötés: Ragasztott papírkötés
ISBN: 3548021859
Méret: 120 mm x 190 mm
Heinrich Böll művei
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