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Der Schweizer Ulrich Zwingli gehört zu den prägenden Gestalten der frühbürgerlichen Revolution, denen unser Volk und andere Völker ein lebendiges Andenken bewahren. Am 1. Januar 1984 jährt sich sein Geburtstag zum 500. Mal. Aus diesem Anlaß erinnern wir uns seiner, vergegenwärtigen wir uns seine geschichtlichen Verdienste um den Fortschritt in Kirche und Gesellschaft. Zu Unrecht hat Zwingli in der Geschichtsschreibung früher oft im Schatten seines großen Zeitgenossen Martin Luther und seines Nachfolgers'Johann Calvin gestanden. Heute wissen wir deutlicher als früher zu würdigen, was er theologisch wie politisch auf eigenständige Weise geleistet hat. Mit Recht betrachtet ihn die marxistische Historiographie als führenden Vertreter des radikal-bürgerlichen Flügels der Reformation, bei dem sich — im Unterschied zu Luther — bemerkenswerte republikanisch-demokratische Züge abzeichneten. Auch viele Kirchengeschichtler setzen seinen Rang und seine nachwirkende Bedeutung heute wesentlich höher an, als das vormals oft der Fall war. Auf jeden Fall ist er als einer der Begründer des reformatorischen Bekenntnisses und als ein Wegbereiter progressiver gesellschaftlicher Prozesse eine Persönlichkeit, mit der zu beschäftigen sich lohnt und deren humanistisches Erbe zu bewahren uns christlichen Demokraten am Herzen liegt.
Zwingiis Werdegang läßt sich in seinen Eigenheiten und in seiner historischen Bedeutung nur dann voll verstehen und zutreffend werten, wenn wir ihn vor dem Hintergrund der besonderen Verhältnisse in der Schweiz, vor dem Hintergrund ihrer spezifischen Entwicklung am Rande des damaligen deutschen Nationalverbandes betrachten.
An der Wende vom Hoch- und Spätmittelalter setzten jene Vorgänge ein, die dazu führten, daß die freiheitliebenden schweizerischen Bauern und Bürger sich in der Auseinandersetzung mit den Habsburgern immer mehr aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation herauslösten. Diese Entwicklung, die 1315 ihren ersten Höhepunkt in der Schlacht bei Morgarten erreichte, führte 1499 zum faktischen Austritt der Schweizer Kantone, der eidgenössischen „Orte" — wie sie sich seinerzeit nannten — aus dem Deutschen Reich. Darin äußerte sich in erster Linie ein recht hoher Grad der frühkapitalistischen Entwicklung, durch den sich die Schweiz von den meisten anderen Gebieten des seinerzeitigen Reichsterritoriums unterschied. In Städten wie Zürich und Bern, Basel und Genf, das sich 1525/26 der Schweiz „zuwandte", war ein selbstbewußtes Manufaktur-, Handels- und Bildungsbürgertum entstanden. Auch in den vorwiegend landwirtschaftlich
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