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Dorottya Lipták
Illustrierte Bildungs- und Unterhaltungspresse und das Lesepublikum in der Donaumonarchie zur Zeit Franz Josefs (1850-1914)
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1. Einleitung
Die Presse kann nicht mehr sein, als die Gesellschaft, in der sie lebt, der Schriftsteller darf nur schreiben, was aufzunehmen die Masse vorbereitet ist. Der Schwankung der Meinung des Publikums zu folgen, ist das Geheimnis der gröBten Zeitungserfolge: nicht klüger, besser, europaischer, moderner zu sein als das Publikum.1
So wurden die soziologischen Kriterien der erfolgreichen Zeitungsherausgabe 1911 von dem namhaften Budapester Schriftsteller und Journalisten Lajos Bíró beschrieben. Die Mehrheit der Forschungen zur Mediengeschichte konzentriert sich auf das Produkt selbst, im gegebenen Fali auf die Zeitung und die Zeit-schrift, und auf die Untersuchung der institutionalisierten Formen der Medien und bringt es weniger mit den Wünschen, den Fahigkeiten, den Rollen der Menschen, der Leser in Zusammenhang. Wir sind überzeugt, dass wir auf die-sem Gebiet auf alle Falle dadurch Fortschritte machen können, dass wir die Mediengeschichte und als deren Bestandteil auch die Pressegeschichte als in-teraktiven soziokulturellen Prozess interpretieren.
Es handelt sich um einen Prozess, in dem über die thematische Analyse der einzelnen Blatter hinaus auch berücksichtigt wird, dass der Gegenstand der Zeitungen das Leben selbst ist, die Kultur im anthropologischen Sinne (Peter Bürke), alsó die Ereignisse des Alltags. Der Analytiker hat alsó die Aufgabe, das von den Zeitungen suggerierte Bild, das das Leben des Lesers, die Normen seines Verhaltens, seines Geschmacks und seiner moralischen Überzeugungen beeinflusst (Wirkungs-Hypothese) und die Rückmeldungen des Lesers sichtbar zu machen (Reflex-Hypothese).
Diesen Prozess möchten wir anhand einer spezifischen Pressegattung, der sich auch in Mittel-Europa immer schneller verbreitenden und popular werdenden popularwissenschaftlichen-unterhaltsamen Familienzeitschrift, darstellen. Zeitungen sind im Grundé eine stadtische Gattung und in dieser Abhandlung kon-zentrieren wir uns innerhalb des Habsburgerreichs auf die Budapester und Pra-ger Presse, die weit weniger gut erforscht ist als die Wiener Presse. Wir versu-chen zusammenzufassen, welchen formalen und inhaltlichen Kriterien die Be-
Der Aufsatz beruht auf der folgenden Monografie der Verfasserin: Újságok és újságolvasók Ferenc József korában (Zeitungen, Zeitschriften und das Lesepublikum in der Epoche Franz Josefs). Budapest: L'Harmattan 2002.
1 Lajos Bíró: Die Presse. Soziologie und Politik. Budapest 1911, S. 4-9.