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Vorwort.
In den letzten zwölf Jahren hat sich ein großer Umschwung der aus dem vergangenen Jahrhundert übernommenen Ansichten über das Verhältnis des Individuums zur Gesamtheit vollzogen. Die Philosophie des XIX. Jahrhunderts war durch einen ausgeprägten Individualismus charakterisiert, der sich rücksichtslos auf allen Gebieten des Denkens kundgab. Die junge Generation, die am Ende des XIX. und zu Beginn des XX. Jahrhunderts heranreifte, kann hierüber aus eigener Erfahrung vieles erzählen. Als Meister, denen sie Gefolgschaft leistete, verehrte sie Tolstoi, Renan, Spencer, Ibsen, Emerson, Haeckel, Guyau u. a. Nietzsche wurde mißverstanden, aber um so mehr als Apostel der unbeschränkten Freiheit des Individuums bewundert. Bei einigen gab sich der Einfluß des Milieus in einem unwiderstehlichen Drang zur Sentimentalität kund; von der Lehre Bakunins, Elisee Reclus, Kropotkins bezaubert, verfielen sie in einen Fraternitätstaumel und träumten, wie dereinst die Christen, von der baldigen Verwirklichung eines Reiches Gottes auf Erden. Andere dagegen neigten zum Egoismus Max Stirners, zum Evangelium des Einzelnen, dessen Begierden allein durch dessen Kraft begrenzt werden. Mochte aber der Einzelne der einen oder der anderen Schule zuneigen, es ist zweifellos, daß die Sympathien jener jungen Generation dem Individualismus, d. h. der Emanzipation des Individuums auf allen Gebieten des wirtschaftlichen, politischen, künstlerischen, sittlichen, religiösen Lebens gehörten. Und eben diese Tendenz ist es, welche seit dem Beginn des XX. Jahrhunderts abgenommen hat. Man ist heute zu Anschauungen über das Individuum und dessen Stellung zur Gesamtheit gelangt, welche mehr der Realität entsprechen, welche mehr die Notwendigkeiten des sozialen Lebens, der sozialen Entwicklung in Betracht ziehen; wir beobachten eine