Bővebb ismertető
Von den Japanern sind in der Keramik, der Innenarchitektur und der Bildkunst einmalige und unverwechselbare Werte geschaffen worden, die über die Landesgrenzen hinaus die Weltkunst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert nachhaltig beeinflußt haben. Eine Kunstgattung jedoch gibt es, die nur und ausschließlich in Japan gepflegt wurde: die Netsuke-Schnitzerei. Das Netsuke war weder in den anderen Ländern des ostasiatischen Kulturgebietes noch in den angrenzenden Regionen bekannt. Es ist aus der Phantasie und dem Gestaltungsstreben japanischer Künstler erwachsen, und wir finden nichts Entsprechendes in der Kunst anderer Völker. Sicher hängt dieser besondere Tatbestand damit zusammen, daß die Netsuke als Zweck- und Gebrauchskunst untrennbar mit der japanischen Kleidertracht - speziell der strengen Vorschrift des Samurai-Gewandes - verbunden sind, und daß sie neben ihrer ästhetischen vor allem eine praktische Funktion haben. Die traditionelle japanische Kleidung kennt weder Taschen noch Haken, Ösen, Knopf oder Knopflöcher. Der Kimono des Mannes wird von einem zehn Zentimeter breiten und etwa vier Meter langen Gürtel, Obi genannt, zusammengehalten. Am Obi sind die Sagemono, die herabhängenden Dinge, befestigt: Tabakpfeife und Tabakbeutel, Börse, Schreibzeug. Gehalten werden diese Dinge von einem besonderen Ziergegenstand - dem Netsuke (sprich Netske). Es ist dies der Wortbedeutung nach (ne = Wurzel bzw. Wurzelholz und tsuke = anhängen, befestigen) ein Anhänger aus Holz. Er hat auf der Rückseite zwei Löcher, durch die eine Seidenschnur gezogen wird, um ihn oberhalb des Obi nach außen sichtbar zu befestigen. Unterhalb des Gürtels, ebenfalls nach außen sichtbar, vervollständigt ein kleiner Knopf oder Schieber (Ojime) die Tragekonstruktion. Ebenso wie das Netsuke ist das Ojime meist eine kunstvoll gearbeitete zierliche Schnitzerei von hohem Sammler- und Liebhaberwert. Ergänzt wird dieses Ensemble von Miniaturkunstwerken durch kleine Medizinbüchschen (Inrö), meist in fein ausgeführter Lackarbeit (Abb. 1).