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GESCHICHTE
Es ist nicht einfach, auf wenigen Seiten 4000 Jahre Ge-
schichte zusammenzufassen. Vor allem, weil die Ursprünge
der Geschichte Jerusalems weit, sehr weit zurückliegen und
weil sich im Laufe der Jahrhunderte auf diesem Stückchen
Erde viele veränderliche und komplizierte geschichtliche Ereig-
nisse abgespielt haben.
Jerusalem, auf den Bergen von Judäa. ist für die Menschheit
eine heilige Stadt, die Wiege der drei großen monotheistischen
Religionen, der Mittelpunkt der Welt. Für die Mohammedaner
ist sie El Kuds, die Heilige; für die Juden ist sie Yeruskalayim,
die Stadt des Friedens; für die Christen ist sie die Stadt der Via
Crucis, des Golgathas, des Leidensweges Jesus. Stadt des Frie-
dens: wiewiele Friedenszeiten hat es jedoch in 40 Jahrhunder-
ten gegeben! Niederlagen, Plünderungen, Einfälle. Alle haben
ihren Boden betreten: Ägypter und Perser, Römer und Türken,
Kreuzfahrer im Zeichen des Kreuzes und Musulmanen im Zei-
chen des Halbmondes des Islams.
Der erste bewohnte Teil von Jerusalem lag südlich des heuti-
gen Haram es Sharif, der Platz des Tempels, auf einem Hügel,
den Josephus Flavius Ofel nennt. Dort lebte ein kanaanitischer
Stamm, der der Gebusianer. Im II. Jahrtausend erschien in ei-
nem ägyptischen Verwünschungstext unter dem Namen Ur Us-
kammen eine lange Liste der Vasallenstädte des pharaoni-
schen Machtbereichs. 1000 vor Chr. eroberte David, der die
Stämme der Philister, der Moabiter und der Edomiter besiegt
hatte, Jerusalem und erwarb vom letzten König der Gebusia-
ner, Arauna, ein weites Gebiet auf der Spitze des Berges Mo-
riah, wo er Jahwe, der Gott Israels, einen Altar baute, und wo
er den Bogen des Bundes aufbewahrte, das Symbol des Bundes
DER STADT
zwischen Gott und seinem Volk, der seine Stämme im Kampf
und in den langen Jahren der Irrfahrten in der Wüste begleitet
hatte, bevor sie in das Versprochene Land gelangten.
Der Sohn Davids und Bathsebas, Salomo, wählte erneut
den Berg Moriak, um dort gegen 950 vor Chr. den Ersten
Tempel zu errichten, der groß und prunkwoll war und in des-
sen Debir (das Allerheiligste, ein 7,5 Meter großer Würfel) der
Bogen aufbewahrt wurde. Der Tempel wurde zerstört, aber die
Weisheit seines Erbauers war für die darauffolgenden Jahrhun-
derte verewigt. Bei Salomos Tod verbreitete sich die Zwietracht
unter den 12 Stämmen Israels und das Reich wurde geteilt:
das Reich Israel im Norden und das Reich Juda — mit Jerusa-
lem als Hauptstadt — im Süden. Das Reich Israel fiel inner-
halb kurzer Zeit und wurde assyrische Provinz, während das
Reich Juda etwas länger dauerte. Während es dem König San-
herib nicht gelang, Jerusalem 701 zu erobern, schaffte es der
Babylonier Nebukadnezar im Jahre 598. Im Jahre 587 plün-
derte er die Stadt zum zweitenmal, zerstörte den Tempel und
deportierte Tausende von Juden nach Babylonien. Dies war
die Zeit der «Babylonischen Gefangenschaft» (586-538), die
den Beginn der Diaspora darstellt, dieses endlose Exil, das für
viele Jahrhunderte das Schicksal des jüdischen Volkes kenn-
zeichnete. Im Jahre 538 konnten die Juden dank Kyros dem
Großen nach Jerusalem zurückkehren und unter der Führung
von zwei erleuchteten politischen Anführern, Esra und Nehe-
mia, bauten sie die Stadtmauern und den Tempel wieder auf.
153.000 Arbeiter bauten daran und im Jahre 515 stand der
Zweite Tempel, obgleich in bescheideneren Ausmaßen. Der
Verfall des Perserreiches, der von Alexander dem Großen her-