Bővebb ismertető
Je weiter sich unser Jahrhundert von seinem Anfang entfernt, desto öfter Itehren wir zum neunzehnten Jahrhundert zurück und beschäftigen uns mit ihm. Es ist eine Periode der Unruhe und der Verwirrung, aber auch eine Zeit großer Eroberungen und Entdeckungen, tmgelöster Gedanken und heroischer Mißerfolge. Besonders jetzt und namenthch auf dem Gebiet der Kunst, wo das künstlerische Schaffen allmählich das Erbe des Formalismus überwindet, treten wir mit erhöhtem Interesse an die Geschichte des Jahrhunderts heran, um die Ursachen des schließlichen Zerfalls dieser Zeit kennenzulernen und unserem Heute die von den großen Schöpfern geschaffenen Werte einzuverleiben - jener Schöpfer, die es verstanden haben, die gesteigerte Unruhe und die fortschreitende Verwirrung zu überwinden, die sich durch die schicksalsschwere Abtrennung der Technik vom Kunstschaffen, der Produktion von der Kultur nicht verwirren ließen und die auch auf der ungünstigen wirtschaftlichen Grundlage und im Stilchaos arbeiteten.
Das neunzehnte Jahrhundert ist eine Epoche, die sich deutlich von den Ansichten, dem Auftreten und den gesellschaftlichen Zusammenhängen der Kunst der früheren Zeit unterscheidet. Und doch knüpft es gedanklich an das achtzehnte Jahrhundert an, dessen Vermächtnis es in vielem weiter entwickelt. Denn in ihm schon waren die einander gegenüberstehenden und dann dennoch wiederholt aufblühenden und verwirklichten Grundsätze des Realismus und des Romantismus formuliert. Auch der für den Charakter des ganzen neunzehnten Jahrhunderts so bezeichnende Historismus wurde kurz vor der großen Französischen Revolution geboren, um zugleich mit den philosophischen und ethischen Forderungen des Stils einen schweren und aussichtslosen Kampf gegen die fortwährend gesteigerte Schnelligkeit der Zivilisation der Maschinen auszutragen. Die einzelnen Zweige der bildenden Künste bestätigen wiederholt den Mißerfolg der theoretischen Forderungen des Stils, hinter denen keine Praxis des Lebens stand. Das bezeugt vor allein die Architektur, aber auch die Bildhauerkunst mehr als die Malerei, und zwar deswegen, weil die Bourgeoisie, die Schöpferin und Trägerin der Kultur der Zeit, die Funktion der Plastik ernsdich veränderte. Der Wechsel der Auftraggeber und der Funktion unterbrach die lange Verbundenheit mit der Baukunst, drängte die Kirche in den Hintergrund, änderte den Bedarf an rehgiösen und dekorativen Statuen und verwies die Bildhauer mit ihrer Arbeit auf die Friedhöfe, auf öffenthche Denkmäler und private Standbilder. Zum Unterschied von den großen Stilperioden entstanden die entscheidenden Werke des Jahrhunderts nicht aus öffentlichen oder gesellschaftlichen Aufträgen, sondern aus dem Ausstellungsbetrieb, also ohne den Bedarf und die Teilnahme der Gesellschaft. Außerdem muß in Betracht gezogen werden, daß die Traditionen der Werkstatt und des Handwerks, der direkten Arbeit im Material verlorengingen und daß an ihre Stelle