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Was drei Milliarden Jahre sind, können wir uns nicht mehr vorstellen. Der Zeitraum, über den hinweg sich die bisherige Geschichte des Lebens auf der Erde erstreckt, ist so groß, daß er sich unserem Vorstel- Ho' lungsvermögen entzieht. Dagegen muß uns die räumliche Ausdehnung des Schauplatzes, auf dem diese Geschichte sich seit je abspielt und die ihr dazu ausschließlich zur Verfügung steht, vergleichsweise winzig erscheinen. Die ältesten bekanntgewordenen präkambrischen Fossilien, primitive, blaualgenähnliche Einzeller aus dem sogenannten gunflint chert (einer geologisch ungewöhnlich alten, schieferähnlichen Gesteinsart Nordmichigans), und neuerdings möglicherweise auch südafrikanische Funde beweisen, daß das Leben auf der Erde schon seit mindestens drei Milliarden Jahren existiert. Angesichts eines solchen Zeitraums versagt unser Vorstellungsvermögen. Unser Zeiterleben und unsere Fähigkeit, Distanzen, auch zeitliche Distanzen, zu schätzen und anschaulich zu vergegenwärtigen, ist aus biologisch einleuchtenden Gründen auf unsere physische Konstitution abgestimmt — auf eine körperliche Konstitution, die es uns ermöglicht, in einer Stunde aus eigener Kraft allenfalls zehn bis fünfzehn Kilometer zurückzulegen, und die uns eine äußerste Lebensspanne setzt, die siebzig und, wenn es hoch kommt, achtzig Jahre währt.
Was drei Milliarden Jahre sind, können wir uns daher nicht mehr vorstellen. Diese Tatsache ist, indirekt, auch einer der wichtigsten, allerdings kaum jemals durchschauten Gründe, aus denen viele gebildete Zeitgenossen noch immer nicht an die Stichhaltigkeit der darwinisti-schen Entwicklungslehre glauben können. Es erscheint ihnen einfach gänzlich unvorstellbar, daß ein Zusammenspiel zwischen zufälligen, ungerichteten Mutationen und aus ihnen auswählender Selektion, daß ein solcher mühsamer, »blinder« Prozeß in der Lage sein könnte, »in der kurzen Zeit von wenigen Milliarden Jahren« eine Art aus der anderen entstehen zu lassen und durch innerartliche Konkurrenz höher entwickelte, kompliziertere, fortschrittlichere Lebensformen in all ihrer uns heute gegenwärtigen Mannigfaltigkeit hervorzubringen. Es ist diesen Kritikern in der Tat zuzugestehen, daß das unvorstellbar ist, wenn auch in einem sehr viel wörtlicheren Sinn als dem von ihnen gemeinten. Denn auf Grund unserer Konstitution unterschätzen wir Zeiträume solcher Größenordnung eben ganz unvermeidlich, und zwar so drastisch - und so sehr ohne jede Möglichkeit, darauf reflektieren zu können —, daß dem eben zitierten Argument dadurch jede Beweiskraft genommen wird. Unterstützt wird diese uns gar nicht bewußte und auch gar nicht bewußt zu machende Tendenz zu allem