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VORWORTVorkriegs-Ungarn kannte Kossuth als geschichtliche Gestalt kaum; er war ihm vielmehr ein nationales Ideal, ein Parteiprogramm, ein Wegweiser zur Selbstachtung, und jawohl! die Bezeichnung für ein utopistisches Sehnen des Volkes. Kossuth war mit dem innersten Wesen des Ungartums zu sehr verwoben, um seinen Landsleuten als Mensch erscheinen zu können. Das Volk erfaßte ihn mit dem Gefühl, nicht mit dem Geist.Die nationalen Urkräfte, die er einst wie ein Flügelroß meisterte, trugen in altersgrauen Zeiten Rákóczi, Thököly, Bocs-kay, Bethlen zu den steilsten Gipfeln der Volkstümlichkeit empor. Es waren Kräfte des Freiheitswillens; Quellen des stets wieder aufschäumenden Widerstandes gegen Habsburg.Für den Nichtungarn ist es gar nicht leicht, diesem Freiheitsgedanken auf seinen verschlungenen Wegen durch die Jahrhunderte zu folgen. Die Magyaren waren nicht bloß ein Kriegervolk, sie waren zugleich ein Volk der spitzfindigen Juristen. Bei ihren zahllosen Aufständen führten sie im Kriegsgepäck staatsrechtliche Theorien mit, und die Rebellen fühlten sich als Schützer der Gesetzlichkeit gegenüber den Rechtsbrüchen der Dynastie. Noch im Jahre 1848 gaben sich Freiheitskämpfer der gewagten Illusion hin, die Rechte des Königs von Ungarn gegen den Kaiser von Österreich zu verteidigen.Allerdings konnte und mochte die Wiener Staatskunst die schwerfällige Maschine der ständischen Verfassung nie richtig handhaben. Formell waren daher die Rebellen im Recht, selbst wenn sie sich gegen sehr vernünftige Regierungsmaßnahmen wehrten. Nach ungarischer Auffassung waren sämtliche Habsburger Könige, bis zu Maria Theresia, Unterdrücker der Freiheit. Es ist gewiß bezeichnend, daß das weibliche Taktgefühl und der nüchterne Hausfrauenverstand der Habsburgerin genügten, um sie zum größten König" ihres Stammes zu erheben und den ungebärdigen Rebellengeist für ein Jahrhundert in behäbigen Schlummer zu wiegen.5