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Vorwort
Als er 1889 in Mayerling seinem Leben ein jämmerliches und schuldhaftes Ende bereitete, war Kronprinz Rudolf dreißig Jahre alt. Diese dreißig Jahre waren umstrahlt vom äußeren Glanz am Wiener Kaiserhof, aber auch erfüllt von innerer Einsamkeit und Frustration.
Denn was er wollte, durfte er nicht: der übermächtige, eifersüchtig auf seine Macht pochende Kaiser Franz Joseph hielt den so verdächtig intellektuellen Sohn von jedem politischen Einfluß fern. Was er durfte, wollte er freilich nicht: Soldat sein, schUeßlich General, aber selbst in dieser Stellung ohne politische und nicht einmal militärische Verantwortung.
So wich er aus, wenn auch erst nach jahrelangem erfolglosem Bemühen um eine offizielle politische Aufgabe, nach jahrelangem Bitten um Informationen, nach unzähligen gescheiterten Versuchen, mit dem kaiserlichen Vater nicht nur über Jagd und Müitär, sondern endlich auch über Politik reden zu dürfen. Kronprinz Rudolf baute sich kein Schattenkabinett auf. Er wurde politischer Schriftsteller in Opposition zur höfischen Politik der »Kamarilla«, wie er die adeligen Ratgeber seines Vaters gerne nannte. Er schrieb politische Denkschriften, von denen einige (unter strenger Wahrung der Anonymität) gedruckt wurden. Er schrieb Leitartikel für die liberale Boulevardzeitung »Neues Wiener Tagblatt«, dessen Untertitel »Demokratisches Organ« hieß. Er verstrickte sich in eine höchst kompromittierende Mitarbeit am deutschfeindlichen Wochenblatt »Schwarzgelb«. Das alles unter fast grotesk anmutenden Sicherheitsvorkehrungen: Dazu gehörten nächtliche Besuche seiner journalistischen Freunde über verlassene Stiegen und geheime Gänge der Wiener Hofburg, chiffrierte Briefe, sorgsam von einem Freund abgeschriebene Manuskripte, damit kein Setzer die Handschrift des Thronerben erkennen könnte.