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AUS DER GESCHICHTE POLENS UND DER POLNISCHEN KULTUR
VOR MEHR ALS 1000 JAHREN
Der mittelalterliche Chronist, der Anno Domini 966 die drei Worte Mesco dux baptizatur niederschrieb, stellte dem ersten historischen Herrscher Polens nicht nur den „Taufschein" aus, sondern verfaßte auch die „Geburtsurkunde" des polnischen Staates. Es hat sich eingebürgert, das Jahr 966 als Entstehungsjahr des polnischen Staates zu betrachten. Es ist jedoch eine Binsenweisheit, daß Staaten nicht plötzlich auf der Bühne der Geschichte auftauchen. Ihrer Entstehung geht für gewöhnlich ein jahrhundertelanger Prozeß der Konsolidierung der Macht in einem bestimmten Gebiet voraus, das von einem bestimmten Gemeinwesen bewohnt wird.
Auch mit Polen verhielt es sich nicht anders. Das Einzugsgebiet von Oder und Weichsel bildete das Territorium des Staates von Mieszko I. (im wesentlichen entsprach es dem heutigen Polen), das seit etwa 500 Jahren v.u.Z. von urslawischen Stämmen bewohnt wurde. Aus dieser Zeit stammt auch die älteste Quellenangabe von Herodot über die Neuren, die in ausgedehnten, wenn auch nur schwer genauer festzulegenden Gebieten einen mächtigen Bund bildeten, der mit den nomadisierenden Skythen rivalisierte. Aller Wahrscheinlichkeit nach gehörten die Neuren zu den Urslawen. Plinius und Tacitus wußten bereits bedeutend mehr über die an der Weichsel wohnenden Sarmaten und Veneter, deren Namen in die polnische Mythologie eingingen. Der alexandrinische Geograph Ptolemäus benutzte als erster den Namen „Slawen", obgleich in etwas verzerrter Gestalt.
Die Urbevölkerung der ^slawischen Gemeinschaft, die in den Werken der Geschichtsschreiber des Altertums mit verschiedenen Namen bedacht wurde, begann sich etwa im 5./6. Jh. u.Z. in verschiedene Völker aufzuspalten, die nach weiteren Jahrhunderten den Grundstein für die heute existierenden slawischen Völker legten. Die Entwicklung der sozialpo-