Bővebb ismertető
Vorwort
Als im Mai 1945 der Kanonendonner verhallte, lebten wir in einer Welt der Trümmer. Die Städte lagen in Schutt und Asche, und mit den Häusern war auch die Hoffnung vieler Menschen zusammengebrochen. Doch die Aktivisten der ersten Stunde gaben uns neuen Mut. Wir gingen ans Werk, erste Erfolge stellten sich ein, und mit den Erfolgen wuchs die Einsicht in die Notwendigkeit des historischen Prozesses, der sich auf dem Boden unserer Republik vollzog. Heute erinnert so gut wie nichts mehr an die Jahre des Krieges und die harten Zeiten unseres Neubeginns. Wir haben die Trümmer hinweggeräumt, auch die Trümmer in den Köpfen. Neue Städte sind entstanden, Dörfer haben sich verjüngt — und in ihnen wohnen Menschen, die in geistiger und moralischer Hinsicht einen völlig neuen Typ verkörpern. Diesen Menschen, welche die Deutsche Demokratische Republik ihre Heimat nennen, ist das vorliegende Buch gewidmet; ihnen will es helfen, ihr Wissen zu erweitern und ihr Auge zu schulen. Die Voraussetzungen hierfür sind gegeben. Karl Marx nannte die Verkürzung des Arbeitstages die Grundbedingung für jene »menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt«, und er setzte diese Kraftentwicklung mit dem »wahren Reich der Freiheit« gleich. Die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik haben dieses wahre Reich der Freiheit betreten. Ihre eigene Arbeit hat ihnen die Pforte geöffnet. Dank der Tatsache, daß sie von Anfang an für sich selbst arbeiteten, besitzen sie heute einen Überschuß an Kraft und Zeit, über den sie frei verfügen können. Die Museen ziehen aus dieser Entwicklung reichen Gewinn. Und in den Museen sind es besonders die Werke der Malerei, welche die Besucher fesseln. Aber wie viele von denen, die bewundernd zur Sixtinischen Madonna aufblicken, haben schon eine spätgotische Kirche oder ein barockes Schloß von innen gesehen? Dabei ist es nicht etwa Trägheit, was die Besucher davon abhält, ihre in Museen gewonnenen Erkenntnisse außerhalb der Museen zu überprüfen und zu vertiefen. In den meisten Fällen fehlt es lediglich an bestimmten Hinweisen und Vorschlägen, etwa an dem Hinweis, daß in diesem oder jenem Ort ein barockes Schloß steht, das anzusehen sich lohnt.
Anders gesagt: Museen geben ihren Besuchern das Gefühl der Sicherheit. Wer etwas nicht weiß, kann im Katalog nachschlagen. Dem besonders Wißbegierigen stehen erfahrene Fachleute Rede und Antwort. Wer jedoch Schlösser und Kirchen besucht, die nicht museal genutzt werden, hat meist nur die Möglichkeit, auf eigene Faust langwierige Ermitdungen anzustellen. Doch gerade Schlösser, Burgen, Herrenhäuser und vor allem Kirchen bilden den größten Teil unseres Denkmalbestandes. Dies ist keineswegs verwunderlich, wenn man bedenkt, daß nahezu alle Bauten der herrschenden Klasse aus widerstandsfähigem Stein errichtet wurden, während nur sehr wenige der aus Holz ge-