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KUNSTHISTORISCHES MUSEUM WIEN
Der die Abbildungen begleitende Text möchte den Leser weniger mit historischem Wissen über die Entstehung und die Herkunft der einzelnen Werke belasten, als ihn zu diesen führen, um ihm die Augen zu öffnen für den inneren Reichtum an Form und menschlichem Gehalt, den die alten Meister in ihren Schöpfungen gestalteten. Dieser Zugang öffnet sich um so mehr, je tiefer man in die Eigenart nicht nur der verschiedenen Meister, sondern auch ihrer einzelnen Bilder eindringt. Denn es gehört zum Wesen der Kunst, dass sie die äussere Wirklichkeit jedesmal in einer sehr persönlichen Weise gestalten und damit auch verwandeln muss, um ganz die Seele des Betrachters anzusprechen.
Gerade auch auf den modernen Menschen wirkt ein Gemälde zunächst durch seine Farben und Formen, die in einer inneren Gesetzmässigkeit zusammenstehen. Die Farben sind jeweilen in einer Weise aufeinander abgestimmt, dass kein Ton herausfällt, sondern jeder in einer ihn umfassenden Harmonie voll zum Erklingen kommt. Die Formen spielen im richtigen Masse zusammen: nämlich als ein Gleichlaufen, das doch nicht zur Monotonie führt, und als ein In-Kontrast-Setzen, das trotzdem den Zusammenhang nirgends zerreisst. Die alten Meister wussten noch um das Geheimnis wahrer Komposition; sie setzten ihre Bilder nicht nur äusserlich zusammen, sie konstruierten sie weder nur mit dem Verstand, noch entwarfen sie sie ausschliesslich aus dem Gefühl, sondern Bewusstes und Unbewusstes verband sich auf das Fruchtbarste. Zwischen den verschiedenen Farben und Formen entstand ein innerer Zusammenhang, den wir als notwendig empfinden, und es bildete sich in jedem Werk von neuem ein dichtes Gefüge von Kontrasten und Entsprechungen aus rhythmischen Abfolgen und harmonischen Zusammenklängen, die als die eigentlich künstlerischen Werte unmittelbar an unsere Seele rühren.
Im Unterschied jedoch zur abstrakten Kunst der Gegenwart ist bei den alten Meistern, wie sie das Wiener Kunsthistorische Museum birgt, das Spiel der Farben und der Formen nicht nur Selbstzweck, sondern es dient der Darstellung eines Inhalts, mit dessen
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