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Leonardo da Vinci [antikvár]

 
Michelangelo, Raffael, Tizian, Giorgione und Leonardo: das sind die Namen der großen Künstlerpersönlichkeiten, an die wir zuerst denken, wenn von der Kunst der italienischen Renaissance die Rede ist. Es sind die bedeutendsten Meister, die diese an befähigten Künstlern so reiche Epoche hervorgebracht hat, deren Werk die gewaltigen, vielschichtigen und alle Bereiche des menschlichen Lebens erfassenden Umwälzungen auf dem Gebiete der Kunst zum Ausdruck bringt. Angesichts der klassischen Werke Leonardos und der anderen führenden Meister...
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Michelangelo, Raffael, Tizian, Giorgione und Leonardo: das sind die Namen der großen Künstlerpersönlichkeiten, an die wir zuerst denken, wenn von der Kunst der italienischen Renaissance die Rede ist. Es sind die bedeutendsten Meister, die diese an befähigten Künstlern so reiche Epoche hervorgebracht hat, deren Werk die gewaltigen, vielschichtigen und alle Bereiche des menschlichen Lebens erfassenden Umwälzungen auf dem Gebiete der Kunst zum Ausdruck bringt. Angesichts der klassischen Werke Leonardos und der anderen führenden Meister der Hochrenaissance vergißt man leicht, daß die Renaissancekunst ihrem Wesen nach eine höchst revolutionäre Kunst ist, wenn sie auch rein äußerlich-thematisch wenig Revolutionäres zeigt. Die Bildthemen sind häufig die gleichen wie im Mittelalter, und die Kirche bleibt nach wie vor einer der wichtigsten Auftraggeber. Die Form aber und vor allem der innere Gehalt änderten sich grundlegend: dem diesseitigen bürgerlichen Weltbild entsprechend, in dessen Zentrum der Mensch rückte, wurde ein auf das Vorbild der Natur sich gründender realistischer Darstellungsstil entwickelt, welcher der Kunst der italienischen Renaissance bei aller Eigenart der einzelnen Meister ihr charakteristisches Gepräge gibt. Ein Beispiel mag die tiefgreifende Wandlung erläutern. War die Madonna bis dahin häufig als eine hoheitsvoll Thronende dargestellt worden, so war sie jetzt gewissermaßen unter die Menschen getreten, und ihre Geschichte wird nicht selten in ein ausgesprochen bürgerlich-häusliches Milieu verlegt. Die so menschlich-warm empfundenen Madonnen Dürers sind in der deutschen Kunst dieser Zeit die geläufigsten Zeugnisse jener Wende. Das rein Menschliche dominiert in diesen Mutter-Kind-Darstellungen, und auch demjenigen, dem alles Wissen um die christliche Religion fehlt, wird der menschliche Gehalt unmittelbar zugänglich bleiben. Diese Konzentration auf das Menschlich-Seelische wird gerade bei Leonardo sehr deutlich. Er gehört jedoch schon zu den Vollendern, nicht zu den Begründern der Renaissancekunst. Entscheidende Schritte waren seit Giotto bereits von anderen getan worden, mehrere Generationen hatten an den daraus erwachsenen vielfältigen künstlerischen Problemen gearbeitet, und die Entwicklung war längst ins Breite gegangen, hatte viele lokale Schulen gezeitigt, ehe Leonardo zur Wirksamkeit gelangte. Nach dem anonymen Schaffen unzähliger Meister im Mittelalter war in der Renaissance mit der Wiederentdeckung des Menschen als Einzelpersönlichkeit auch die individuelle Künstlerpersönlichkeit, wie sie schon in der Antike bestand, wieder möglich geworden. Die Entwicklung des Bildnisses und daneben das Aufkommen des Selbstbildnisses sind äußerliche Dokumentationen dieses neuen Selbstbewußtseins. Mit der Lösung von den mittelalterlichen Vorstellungen begann man die Umwelt mit ganz anderen Augen zu sehen, ja vieles sah man mit Bewußtsein zum erstenmal, und nicht zufällig ist diese Epoche die Zeit der großen Entdeckungen auf fast allen Gebieten menschlicher Erkenntnis. Das blieb auch nicht ohne Wirkung auf die Kunst. Das richtige Sehen und Zeichnen der menschlichen Gestalt und des Raumes (Perspektive) wurde erst möglich auf Grund eines intensiven wissenschaftlichen Erfassens der Umwelt. Vom systematischen Aktstudium gelangte man weiter zum Studium der Anatomie. So wissen wir aus Leonardos Aufzeichnungen, daß er allein dreißig Leichen seziert hat, um den Bau des menschlichen Körpers genau kennenzulernen. Ein solcher Wissensdrang war völlig neu. Bei diesem realen Studium der Natur gewann die Zeichnung eine bis dahin unbekannte Bedeutung und erreichte mit Leonardo bereits eine Vollkommenheit, ja Vollendung, die ihn zu den wenigen ganz großen Meistern der Zeichnung, die die Kunstgeschichte kennt, zählen läßt. So war es auch Leonardos außergewöhnliche zeichnerische Begabung, die zuerst die Aufmerksamkeit auf ihn lenkte. Es wird berichtet, daß sein Vater die ersten Proben seines Könnens dem angesehenen Florentiner Maler und Plastiker Andrea del Verrocchio vorlegte. Von diesem zur weiteren Ausbildung ermuntert, kam Leonardo noch „in seiner Kindheit", wohl um das Jahr 1466, in die Lehre bei Verrocchio. Leider ist uns von den Anfängen Leonardos nicht allzuviel Sicheres erhalten. Er hat bereits das zweite Jahrzehnt nahezu vollendet und ist nach sechsjähriger Tätigkeit in der Verrocchio-Werkstatt Meister der Florentiner Lukasgilde geworden, ehe man Spuren seiner künstlerischen Tätigkeit nachweisen kann. Das erste datierte Werk Leonardos, eine Landschaftszeichnung, stammt aus dem Jahre 1473. Bekanntestes Zeugnis seiner Mitwirkung in der Bottega des Verrocchio ist Verrocchios Gemälde „Taufe Christi", bei dem Leonardo einige Teile zur Ausführung übertragen wurden. „Lionardo malte darin einen Engel", schreibt Vasari, 5

Termékadatok

Cím: Leonardo da Vinci [antikvár]
Kiadó: Henschelverlag
Kötés: Fűzött papírkötés
Méret: 210 mm x 270 mm
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