Bővebb ismertető
U" BER LEONARDOS MALERWERK gehcn die Ansichten noch immer weit auseinander, obgleich Morellis Bchauptung, daB man die echtcn Gemaldc fast an den Fingéra einer Hand aufziihlen künne, selbst von seinen gláubigsten Schülern allmahlich aufgegeben wird. A ucli sic fangen an, sich mehr und mehr namentlicli zu den Jugendwerken zu bekeliren, für deren Bestiminung die Zeichnungen des Meisters von besonderer Bcdeutung sind. Für die richtige Erkenntnis und Kritik der Zeichnung Leonardos hat aber gerade Morelli, so wenig cr sonst dcm Künsder gerecht wurde, besondere Verdienste gehabt. War er doch der erste, der mit Bestimmtheit nur die mit der linken Hand ausgeführten Zeichnungen als echte Zeichnungen Leonardos anerkannte und damit dem Forschcr ein cinfaches und sicheres Kritérium zur Bestimmung an die Hand gab. Dadurch liat er freilich manche Enttauseliung hervorgerufen, indem nun eine Reihe vielbewunderter, delikát durebgeführter Zeichnungen aus der Reihe der echten Werke gestrichen, und den Nachfolgern, die man jetzt unter dcm Sammelnamen Préda vereinigt, als Kopien oder Nacbahmungen nach Leonardo zugeschriebenwerdenmufiten. Dadurch wird zugleich ilie Annahme als irrtümlich crwiesen, daS derMeister auch Zeichnungen, die er als abgeschlossen betrachtete, wie Bilder abgegeben hatte; seine zahlreichen Zeichnungen sind fast nur solche, die als Vorbereitungen für seine maleriseben und plastischen Werke oder seine Bauplane entstanden sind; noch weit gröíier ist allerdings die Zahl von Zeichnungen, die er zur Erklárung und Illustrierung seiner wissenschafdichcn Forschungen und Arbeiten, als Studien für seine technischen Versuche aller Art entwarf. Da er linkshándig war, hatte sich Leonardo von friihauf auch die Schrift von rechts nach links, nach Art der Orientalen, angewöhnt und wohl selbst als eine Art Geheimschrift für sich weiter ausgebildet, um seine unzáhligen eigenartigen Ideen und Erfindungen dadurch vor Dritten verheimlichen zu können. In manchen seiner Manuskripte, in denen er diese kleine Schrift rait zahllosen, oft winzig kleinen Zeichnungen durchsetzt, erseheinen die Seiten fast wie eine neuartige Hieroglyphenschrift; war ihm doch die Ubersetzung seiner Gedanken in ein Bild oft leichter als die schriftliche Formulierung. Die Mehrzahl der Zeichnungen Leonardos sind Illustrationen zu seinen wissenschaftlichen Werken. Hier, wo es sich um sauberste und genaueste Wiedergabe handelte, konnte er sich aber nicht mit Skizzen und Studien begnügen: in der Tat sind in ihrer Art die Federzeichnungen zu seiner Anatomie, zu seinen Werken über Technik u. s. f . die klarsten, sorgfáltigsten und trefflichsten Zeichnungen, die die Wissenschaft üherhaupt aufzuweisen hat. Doch diese Zeichnungen bescháftigen uns hier nicht; wir habén es nur mit solchen zu tun, die Vorbereitungen zu seinen Kunstwerken und künstlerischen Aufgaben aller Art sind. Was er in solchen Zeichnungen darstellt, ist auíierordentlich mannigfaltig, da er alles, was seinen scharfen Sinnen auffiel, sich zu erkláren und festzuhalten suchte, wenn es ihm wichtig erschien. Wie er ein aufierordentliches Naturereignis, ein Unwetter dort in den lombardischen Alpen, rasch aufskizziert und dann eine sorgfáltige Rotstiftzeichnung danach ausführt, zeigt eine unserer Tafeln, andere Wetterkatastrophen hat er nur in flüchtigen Federskizzen festgehalten. Die Basaltbildungen in den Voralpen erregen seine Aufmerksamkeit aufs lehhafteste; sie interessieren ihn ebensosehr künsderiscb wie wissenschaftlich; über ihre Entstehung philosophiert er, flüchtige Studien in Kohlé wie in Feder füllen seine Skizzenbücher und fehlen als Hintergrund im Aufbau seiner Bilder seither nur selten. Auch die bescheidensten Dinge am Wege fesseln ihn. Mit Vorliebe zeichnet er die Pflanzen; die harmlosesten Blümchen, Graser, Schilf und Áhnliches hat er mit einer Sorgfalt studiert und mit einem Reiz wiedergegeben, den keiner der gefeierten niederlandischen Blumenmaler erreicht hat. Braucht er sie doch, um seine Madonnen als Schmuck und Symbol damit auszustatten; um in der Himmelfahrt" aus den Basaltfelsen durch ein kleines Alpenveilchen ein Stück Leben spriefien zu lassen, oder in den Plumpkeulen und Schilfesblattern das Wochenbett der Leda zu charakterisieren. Aber wahrend er solche Zeichnungen entwirft, beobachtet er zugleich die Gesetze des Wuchses der Pflanze und ihrer Entwicklung und weiö sie für seine geplanten botanischen Werke festzidegen. Wie manches fiel ihm nebenbei ein, wahrend er so für bestimmte Zwecke seine Studien machte! Wenn er für seine Leda", die uns nur in Kopien von Schülern und Nachfolgern erhalten ist, Studien für den üppigen Haarschmuck, der den Kopf in schneckenfürmig aufgerollten Zöpfen oder als Kronenzopf phantastisch umgibt, zeichnet, falit ihm ein, wie das Wasser, das sich bei einem Wehr hindurchdrangt, ja ganz áhnliche Formen zeigt. Wenn er Charakterköpfe nach Altér oder Geschlecht entwirft, kornmt ihm die Idee, welche Verwandtschaft das Haupt des Menschen mit dem Kopfmancher grofíer, edler Here hat und wie sie sich bei starkerErregung ahneln. So zeichnet erÜbergange vom Menschcnkopf zum Löwen- oder Pferdekopf; und solche Vergleiche reizen ihn zur Erfindung eigener Phantasiegeschöpfe, wie unter manchen anderen in dem Kampf des Draehen gegen den Löwen (nur in der trefflichcn Kopie in den Uffizien erhalten) oder in dem Neptun auf seinem Wagen mit Seepferden, in denen der Übergang vom Pferd zum Fisch so naturwahr wiedergegeben ist, daB jeder an ihre Existenz glauben kann. Seine unbegrenzte Erfinderfreude