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Miteinander und Gegeneinander
italo Calvino
Ein Sciniff voller Krebse
Die Jungen von der Piazza dei Dolori badeten zum erstenmal in diesem Jahr an einem Aprilsonntag mit ganz neuem blauem Himmel und fröhlicher junger Sonne. Sie rannten zur Mole hinab, die geflickten Badehosen in der Luft schwenkend, dieser und jener schlurfte schon mit der hölzernen Sohle der Sandale durch 5 den Schotter, und die meisten trugen keine Strümpfe, um sie nachher nicht mühsam über die nassen Füße ziehen zu müssen. Sie sprangen über die am Boden ausgestreckten Netze und stiegen über die nackten, schwieligen Füße der Fischer, die danebenhockten und flickten. Zwischen den Klippen am Fuß des Schotterhangs entkleideten sie sich, voll Freude über den säuerlichen Geruch der alten, verfaulten 10 Algen und den Flug der Möwen, die den viel zu großen Himmel auszufüllen suchten. Hemden, Hosen, Schuhe versteckten sie in den Löchern der Felssteine und zwangen so die jungen Frösche zum Abzug; dann begannen sie barfuß und nackt von einer Klippe zur anderen zu springen und abzuwarten, wer sich als erster zum Kopfsprung entschließen würde. 15 Das Wasser war ruhig, aber nicht klar, von einem dichten Blau mit harten grünen Reflexen*. Gian Maria, genannt Mariassa, stieg auf die Spitze eines höheren Felsens und pfiff auf zwei Fingern, die Faust vor der Nase wie bei der Deckung im Boxkampf
„Alé", rief er, streckte die Arme nach vorn und sprang. Ein paar Meter weiter 20 weg tauchte er wieder auf, spie einen langen Wasserstrahl aus und machte den toten Mann.
„Kalt?" fragten die anderen.
„Ganz warm", schrie er und fing an, heftig mit den Armen zu rudern, um nicht zu Eis zu erstarren.
25 „Leute! Mir nach!" sagte Cicin, der Wert darauf legte, sich als Häuptling zu fühlen, wenn auch niemand je auf ihn hörte.
Alle sprangen jetzt hinein: Pier Lingera mit einem Salto, Bombolo landete mit einem Bauchklatscher, dann Paolo, Carruba in normalem Kopfsprung und schließlich Menin, der entsetzlich wasserscheu war und mit den Füßen zuerst hinein-30 plumpste, wobei er sich die Nase mit den Fingern zuhielt.
Pier Lingera, der beste Schwimmer, tauchte sie alle nacheinander, dann gingen die anderen vereint auf ihn los und ließen ihn selber Wasser schlucken.
Gian Maria, genannt Mariassa, schlug vor: „Das Schiff! Los, zum Schiff!"