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Joe Lederer - Letzter Frühling [antikvár]

Letzter Frühling [antikvár]

Joe Lederer

 
Erstes Kapitel Später erinnerte sie sich: Es hatte schon am Morgen begonnen, als sie aufwachte. Durch die Vorhänge, die nicht ganz geschlossen waren, kam die klare Sonne des Septembertags herein wie licht-durchspülter, blaßgoldener Mosel, tmd dahinter spürte man den glasblauen Himmel, wolkenlos und hoch wie im Sommer; aber so lau die Luft auch war, sie trug doch schon den Geruch von Herbst in sich. Sie wachte auf, und ihr erster Gedanke war: Es ist Herbst, wir werden wieder in die Stadt zurückmüssen, denn jetzt fängt die Schule an....
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Erstes Kapitel Später erinnerte sie sich: Es hatte schon am Morgen begonnen, als sie aufwachte. Durch die Vorhänge, die nicht ganz geschlossen waren, kam die klare Sonne des Septembertags herein wie licht-durchspülter, blaßgoldener Mosel, tmd dahinter spürte man den glasblauen Himmel, wolkenlos und hoch wie im Sommer; aber so lau die Luft auch war, sie trug doch schon den Geruch von Herbst in sich. Sie wachte auf, und ihr erster Gedanke war: Es ist Herbst, wir werden wieder in die Stadt zurückmüssen, denn jetzt fängt die Schule an. Aber dann zerriß der letzte gleitende Traumnebel, und sie spürte die hauchdünne, hautwarme Seide des Nachthemds über ihren Brüsten, und für sie fing seit Jahrzehnten keine Schule mehr an, sie war auch nicht mehr auf dem Land, sondern in der Stadt, aber in einer anderen Stadt als in der ihrer Kindheit - und als sie jetzt das Gesicht zur Seite drehte, fiel ihr Blick auf ihre Hand, die dicht vor ihren Augen aufs Kissen hingebettet war. Schmaler Handrücken, an den Knöcheln zerknittert wie Seidenpapier, lange Finger, fünf rotlackierte Nägel. Sie schob die Hand halb unter ihre Wange, die Haut roch nach Seife und parfümierter Creme und Wärme - und das Kind, das sie einmal gewesen, gab es nicht mehr. Sogar seine polsterweiche, kleine, glatte Hand war verschwunden. Die Hand war die einer Frau, und die Frau war sie, und da lag sie, langgestreckt, halb bedeckt, halb entblößt zwischen hellblauen Decken imd Kissen, und das Leben war schon zur Hälfte vorbei. »Erstaunlich«, sagte sie laut, als handelte es sich um eine Neuigkeit, die ihr gerade über jemand anderen berichtet worden war. Sie drehte sich wieder auf den Rücken, hob beide Hände in Augenhöhe und drehte sie mit auseinandergespreizten Fingern hin imd her. Sie betrachtete sie so ausführlich, als hätte man ihr diese Hände zum Kauf angeboten, rmd sie müßte nun überlegen, wieviel sie dafür ausgeben wollte. Darm blähte ein leichter Windhauch die Vorhänge auf. Sie verschränkte die Arme hinterm Kopf rmd blickte wieder zum Fenster hinüber, quer durchs Zimmer, ins frische Licht hinein, ins

Termékadatok

Cím: Letzter Frühling [antikvár]
Szerző: Joe Lederer
Kiadó: Verlag Kurt Desch
Kötés: Félbőr
Méret: 120 mm x 190 mm
Joe Lederer művei
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