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Zu diesem Buch
Die neunzehnjährige Lydia, die in dem verwahrlosten und skurrilen Herrenhaus ihrer zwei alten Tanten lebt, ist von einem unstillbaren Lebenshunger erliillt. Auch ihre Pflegetanten sehen ein, daß die Umgebung nur schlecht geeignet ist, die Erwartungen einer fröhlichen, heranwachsenden Frau zu erilillen. Sie bitten den vertrauenerweckenden Richardson, sich um Lydia zu kümmern, ihr das Schlittschuhlaufen beizubringen und sie in die Gesellschaft junger Leute einzuführen. Richardson verlallt dem Zauber dieses fremdartigen Mädchens, das so widersprüchliche Eigenschaften in sich vereinigt; sie ist scheu und schonungslos offen, zärtlich und dann wieder schroff. Die beiden erleben ein Jahr der Liebe, des Verständnisses füreinander und der Lebensfreude. Doch Lydias Hunger, etwas zu erleben, ist noch nicht gestillt. Immer mehr wendet sie sich schließlich Richardsons Freunden zu. Traurig und enttäuscht verläßt er die Stadt. Als er zwei Jahre später heimkehrt, findet er ein verändertes Evensford vor. Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit haben das Dasein der Menschen verdüstert. Durch Zufall entdeckt Richardson die von einer schweren Krankheit gezeichnete Lydia in einem Sanatorium. Erst jetzt erkennt sie, wie sehr sie seine Liebe braucht und daß sie nur mit ihm wieder glücklich werden kann.
Ein menschlich ergreifender Roman, die wechselvoHe Geschichte einer ehrlichen Liebe. Eingebettet in das Leben einer englischen Kleinstadt und ihre ländliche Umgebung, spielt er unter Menschen, die sich zwischen einer beschaulichen Vergangenheit und den hektischen und auch grausamen neuen Anforderungen der Gegenwart entscheiden müssen.
ERSTER TEIL
/. KAPITEL
^ACH DEM Tode ihres ältesten Bruders kehrten die Geschwister Aspen gegen Ende Februar während eines überraschenden Schneefalles in ihrem riesigen braunen Daimler mit dem goldenen Monogramm auf den Türen nach Evensford zurück.
Die seit Januar unter Wasser stehende Talfläche war zu weiten Eisseen gefroren: schwarze Hecken, die angeschwemmten Baumstämmen glichen, teilten sie in ungeheure Rechtecke auf. Ein dunkler, scharfer Wind fegte von Nordosten her quer über das Eis und zwängte sich in jenen Zipfel der Stadt, wo die High Street ein paar hundert Meter gerade verläuft, an den Bahnbögen vorbei, unter denen jetzt Johnsons Autofriedhof liegt, und dann zwischen hohen Bürgersteigen weiter, die eine Art trockenen Kanal aus ihr machen. Es war so kalt, als habe der Wind das schiere Eis aus dem Tal nach oben gepeitscht, wo es zu Wirbeln harschen, beißenden Staubes zerbarst und in stechenden Wolken herumkreiselte. Überall bildete sich Eis: harte, schwarze, spiegelblanke Lachen an den geschützteren Stellen und dunkle, wellengerippte an den Straßenecken oder in unebenen Rinnsteinen, wo der Wind die von den letzten Regengüssen stehengebliebenen Pfützen zerrissen hatte.
Der Frost hatte in der dritten Januarwoche eingesetzt, und von da an bis Anfang April ließ er uns nicht einen einzigen Tag in Ruhe. Und immer war in seinem Gefolge der dunkle Wind, der schneidend und grausam über die endlosen Eisflächen der überschwemmten Wiesen fuhr. Schnee brachte er uns erst an jenem Nachmittag, als die Geschwister Aspen zurückkamen: leicht fiel er nieder, in unberechenbarem Auf und Ab, nicht viel mehr als ein Hauch, und wurde dann dichter und gröber, gleich körnigem Reis.
Er begann fast genau in dem Augenblick niederzufallen, als der schwere braune Daimler an der Succoth-Kapelle mit ihren zu splittrigen Kaskaden gefrorenen Treppenstufen vorüberfuhr, gegenüber vom Zweigbüro des County Examiner, dessen Fenster zum Teil von einem kristallenen Farnmuster überzogen waren. Er kam plötzlich auf einer dunklen Wirbelwindwolke daher, die in ein weißes Blühen ausbrach. Der Wind schien sich jäh aufzu-