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KURZE GESCHICHTE DER STADT DIE URSPRÜNGE Laut Legende soll die Stcidt von Odysseus (Ulysses) wáhrend seiner vielen Irrfahrten gegründet worden sein; lange Zeit wwde die Stadt denn auch a/s Ulyssipona in den Chroniken erwahnt. Die Geschichtswissenschaftler dagegen behaupten, dafi Lissabon im Jahve 1200 v. Chr. a/s phönizische Kolonie mit dem Namen Alis Ubo, was « ruhiger Hafen » bedeutet, gegründet worden sei. Es wurde zuerst von den Griechen, spater von den Kcirthagem erobert; im Jahve 205 v. Chr. wurde es römisch und erhielt den Namen Felicitas Júlia, zu Ehren von Julius Caesar. Nach Einnahme durch die Barbaren, welche die Stadtmauern verstárkten und die erste Kathedrale bauten, fiel es 711 in arabische Hande und blieb vier Jahrhunderte lang unter dieser Herrschaft. Unter dem Namen Lissabona wurde es zu einem grofiartigen Handelszentrum mit unschátzbarem Reichtum hinter den Mauern der gewaltigen Palásté im oberen Teil der Stadt. Im Sommer des Jahres 1147 sanken durch einen heftigen Sturm an der der Hafenstadt vorgelagerten Küste die Schiffe, welche die Mánner des Zweiten Kreuzzuges irts Heilige Land hatten bringen sollen: die Fiamén, Deutschen und Englander, die sich retten konnten, verjagten dann unter der Führung Alfons 1. die Araber aus der Stadt. Nach einer Belagerung von vier Monaten war es vorbei mit der arabischen Herrschaft, und im Jahre 1255 machte Alfons III., der die Stadt zum Sitz für seinen Hof gewahlt hatte, sie endgültig zur Hauptstadt seines Reiches. DAS GOLDENE ZEIT ALTÉR Mit der neuen Dynastie der Aviz, unter Joao /., dem Grófién, begann der steile Aufstieg Lissabons, das in kurzer Zeit die reichste Stadt der westlichen Welt wurde. Am 8. Juli 1497 brach Vasco da Gama mit einer Flotté von vier Schiffen von Lissabon auf, um den Seeweg nach Indien zu finden, und nachdem er das Kap der Guten Hoffnung umschifft hatte, gelangte er über Mozambique nach Kalkutta: der Weg war gefunden. Im Jahre 1500 entdeckte Pedro Alvares Ccibral Neuland, namlich Brasilien, und somit einen neuen Kontinent. Camőes, der gröfite portugiesische Dichter, preist diese Entdeckung in schönen Versen. Auch die Architektur beugte sich der Seemacht Lissabons: es entstand der sogenannte « Manuelino-Stil» mit in Stein gemeisselten Meereswellen, Korallen, exotischen Tieren, Schiffstauen und Muscheln. Elfenbein, Silber, Seide, Gewürze, kostbare Edelsteine wurden auf den Márkten verkauft, fanden sich in den Háusern, wurden von allén getragen. DAS ERDBEBEN Zwei Jahrhunderte lang, im 16. und 17. Jahrhundert war Lissabon (und damit ganz Portugál) die gröfite Seemacht Europas und brachte somit den Stern Genuas und Venedigs zum Sinken. Dann kam ganz plötzlich die Tragödie. Am 1. November 1755, einem Feiertag, a Is alle Kirchen gerade die feierliche Messe zelerbrierten, erschütterte ein gewaltiger Erdstofi den Boden, der sich mehrmals hob und senkte und viele Spalten bildete. Kirchen, Palásté, Monumente brachen zusammen und begruhen a/les unter sich. Das Feuer, das sich durch die vielen in den Kirchen brennenden Kerzen an den Stoffen und am Holz leicht entzündete, breitete sich rascli in der gcmzen Stadt aus. Wer an den Ufem des Tajo Zuflucht suchte, fand auch dort Tod und Vernichtung: eine riesige Springflut ergofi sich iiber die Ufer und über die Unterstadt, und verschlang aufier der Bevölkerung auch cill die Reichtümer, die zwei Jahrhunderte lang der Triumph Lissabons bedeutet hatten. Ungefáhr 40.000 Menschen fanden bei dem Unglück den Tod. Dem König, Jósé I., gelang es, dem Unglück zu entrinnen, da er sich mit seinem Hof in Belém befand. Bei ihm hielt sich auch der Mann auf, der dann zum Schöpfer der Wiedergeburt der geplagten und zerstörten Stadt wurde: ein Minist er des Königs, der spater e Marquis de Pombál. LISSABON UNTER POMBAL lm Chaos, das unausweichlich der Katastrophe folgte, war Pombál, der eine Reihe von Sondervollmachten erhalten hatte, wirklich der richtige Mann: seine erste Hilfe galt den Verletzten, er liefi die Toten begraben, er führte für die « Schakale », die Leute, die von der Verwirrung profitierten und raubten und plünderten, wieder die Todesstrafe ein. Gleichzeitig kümmerte er sich um den Wiederaufbau der Stadt, und zwar unter der Mitarbeit des Ingenieurs Mcimtel de Maia und des Architekten Eugenio dos Santos. Pombál liefi die altén Háuser und die engen Grüfichen der Unterstandt bis aufs Fundament abreifien und entwarf ein für jene Zeit gerade zu revolutionáres Stadtbild: breite Strafien, die sich rechtwinklig schneiden, mit hohen Háusern, deren Fassaden sich harmonisch einander anpassen und von Mansarden, schmiedeeisernen Gelándern und Laternen verse hőn t werden. Die Stadt erhebt sich aufier dem über dem breiten Flufi und dem nahen Meer. Zur Erinnerung an das schreckliche Ereignis wollte man die Kirche del Carmo nicht wieder aufbauten. Die Fassade wurde so gelassen, wie sie an jenem Feiertagsmorgen ctussah: die hohen Gewölbe, die Spitzbögen, die hohen leeren Fensterhöhlen beherrschen den schönen Rossio-Platz und zeugen von der langvergangenen Tragödie.