Bővebb ismertető
Ich hatte gerade den letzten Teil der Frage zur Erotik in Heinrich von Veldekes Eneide beantwortet, schlug die Beine umständlich und in Zeitlupe übereinander, als Professor Weickel plötzlich nach Luft schnappte, das Japsen steigerte sich innerhalb von Sekunden zu einem gefährlichen Röcheln, und noch bevor der Prüfungsbeisitzer seine Lesebrille von der Nase nehmen konnte, kippte Weickel vom Stuhl und war tot. Das war ein harter Schlag, zumal ich fürchtete, meine Prüfung wiederholen zu müssen. Aber ich hatte Glück. Schon ein paar Tage später teilte man mir schriftlich mit, die Prüfung sei anerkannt worden, auch wenn Weickel mich noch exakt viereinhalb Minuten hätte befragen sollen und es eigentlich auch nicht Rechtens sei, daß der Prüfiingsbeisitzer allein die Note bestimme. Ich bekam nur eine Drei, was ich wahrscheinlich allein Weickels Ableben zu verdanken hatte. Denn welcher Prüfungsbeisitzer riskiert schon den Vorwurf, er habe die Studentin in Anbetracht eines derartigen Vorfalls bevorzugt? Aber es spielte keine Rolle. In der Endnote kam ich so oder so auf eine Zwei, und außerdem war ich ab sofort frei. Erlöst von spartanischen Seminarräumen, Kaffee aus Plastikbechern und vor allem von Germanistikstudentinnen mit chronischer Logorrhöe. Abends hatte ich noch eine Idomeneo-Vorstellung hinter mich zu bringen, den Rest der Nacht betrank ich mich mit meiner besten Freundin Toni, Ankleiderin an der Oper, und dem schwulen Requisiteur Bernd im Abendmahl. Wie viele andere Abende auch. Nichts Spektakuläres. Nicht mal ein Flirt sprang dabei heraus. Am nächsten Morgen buchte ich genauso kurz entschlossen wie verkatert einen Flug nach Madrid, um mich dort - immerhin begann ein neuer Lebensabschnitt - für rund 20 000 Peseten im Gran Hotel Reina Victoria einzu-