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EinleitungUm ein konkretes Lukács-BildZwar verwarf Georg Lukács an mehreren Stellen seiner Schriften die geisteswissenschaftlichen Methoden, die er in seinen Frühschriften praktizierte, da die dadurch entstehenden "großangelegten Synthesen", "bloß intuitiv erfaßten Züge einer Richtung" zu Verzerrungen führen", doch erwecken mehrere seiner Werke und Stellungnahmen den Eindruck, daß diese Distanzierungen von der geisteswissenschaftlichen Methode in vielfacher Hinsicht verbal geblieben sind. Von marxistischer und nichtmarxistischer Seite wies man gleichsam daraufhin, daß Lukács' Geschichtsschau, seine philosophischen und literarischen Werke auch in seinem marxistischen Lebensabschnitt stark vom Geist der Synthesen und willkürlichen Abrundungen beeinflußt waren. Er interessierte sich im Grunde nur für die großen Zusammenhänge, die weltgeschichtlichen Perspektiven, für die Totalität, und schaute über unsere kleine Welt, über die konkreten Daten, Uber die Einzelheiten der Wirklichkeit hinweg. Er versuchte die "Uberwindung der bloßen Unmittelbarkeit der Empirie"^ - und es gelang ihm mehr als einmal. Lukács' eigentlicher und lebenslanger Erzfeind war deshalb nicht der Idealismus, nicht die christliche Philosophie oder die "Lebensphilosophie" eines Bergsons und Nietzsches, sondern die positivistische Denkweise.Aber nicht nur was seine theoretischen Werke betrifft! Auch seine von ihm verfaßten geistigen Biographien sind "großangelegte Synthesen", welche die oft nur "bloß intuitiv erfaßten Züge" seines eigenen Lebens zu einem einheitlichen und teilweise imposanten Bild abrunden. Er detaillierte zwar seinen Lebensweg in mehreren Vorworten seiner neuverlegten Werke, es ging ihm jedoch immer wieder um die Interpretation und weniger um die Klarlegung von Fakten. So hat er zum Beispiel die genauen Umstände seines Eintritts in die KPU (1918) nie ausführlich dargestellt; ihm ging es vor allem darum, seinen politischen Entschluß aus den geistigen und gesellschaftlichen Prämissen der damaligen Zeit bzw. aus seiner eigenen philosophischen Entwicklung abzuleiten und plausibel zu machen. Daß dabei auch "Irrationalien" wie Kränkung durch die ungarischen Schriftsteller oder Suggestionen durch nahestehende Personen mitgespielt haben dürften, erwähnte er mit keinem Wort. An einer Stelle sprach er zwar von einem "letzten Schwanken" vor dem Eintritt1Georg Lukács: Die Theorie des Romans. 3. Auflage. Neuwied - Berlin 1965. S. 7 f.(Künftig: TR).2Georg Lukács: Geschichte und Klassenbewußtsein. Georg Lukács Werke, FrUhschriftenII. Neuwied - Berlin 1968. S.346. (GK).