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VORWORT
Das Magnificar, eines der drei,,Cántica" des Neuen Testaments, war zu Badis Zeiten in der lutherischen Liturgie - wie schon in der alten Kirdie und wie auch heute noch - ein fester Bestandteil des Vespergottesdienstes. In Leipzig wurde es in den Sonnabend- und Sonntagvespern in deutscher Sprache im Psalmton gesungen, und zwar im vierstimmigen Satz aus dem Cantional Johan Hermán Scheins von 1627, wie ihn noch Gottfried Vopelius in seinem Gesangbuch von 1^82 überliefert. An den drei hohen Festtagen dagegen wurde es auf lateinisch im Figuralstil gesungen. Für diesen Zwedc hat sich Bach nicht nur eine Anzahl fremder Kompositionen abgesdirieben, auch seine eigenen Magnificatvertonungen sind durchweg für diesen Zweck entstanden zu denken. Der von J. F. Agrícola und C. Ph. E. Badi verfaßte Nekrolog läßt vermuten, daß ursprünglidi noch mehr Kompositionen Bachs dieser Art vorhanden waren; er nennt ausdrüddich,.Viele Oratorien, Messen, Magnificar . . .". - Erhalten ist jedoch nur ein einziges Werk in zwei verschiedenen Fassungen; denn das sogenannte ,.Kleine Magnificar", das etwa hundert Jahre lang in der Bachliteratur als verschollen aufgeführt wurde, hat sidi nach seiner Wiederauffindung als unecht erwiesen. Die liturgische Stellung des Magníficat hat sich auf die Komposition Bachs in verschiedener Hinsicht günstig ausgewirkt. Einmal liegt ihm ein Bibeltext (Luc. 1.4Ó-5 5) zugrunde, der sich in vorteilhafter Weise von den ephemeren Kantatendichrungen der Barockzeit unterscheidet. Zudem verlangt die Einordnung in den Vespergottesdienst eine gedrängte Kürze, die zu künstlerisdier Konzentration zwingt. Die erste Fassung dieses Werkes steht in Es-dur und ist mit größter Wahrscheinlichkeit für die Christvesper 172 3 entstanden. Außer dem liturgisdien Magnificattext mit derimdirist-lichen Psalmengesang üblichen abschließenden Doxologie enthält sie vier weihnachtliche Einlagesätze, die sich durdi ihre Stellung am Schluß der Partitur (mit Verweisungen an den Stellen, an denen sie zu musizieren sind) als zuletzt komponiert ausweisen. Diese Einlagen deuten auf den alten
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