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Moravia magna
Die Kultur Großmährens, sein künstlerischer Ausdruck, seine nur in den Grundrissen erhalten gebliebene Architektur, die fragmentarisch belegte und dennoch unbekannte Wandmalerei, vor allem jedoch das in seiner Ausgereiftheit und technischen Vollendung bewundernswerte Kunsthandwerk waren nicht das Ergebnis eines außergewöhnlichen Zusammenspiels zufälliger historischer Gegebenheiten, sondern die Synthese einer dreihundert]ährigen schöpferischen Aktivität, von Kontakten und Erfahrungen unserer Vorfahren an den Ufern von Donau und March von der Elbe bis zur Theiß. Den Grundtendenzen dieses verwickelten Prozesses nachzuspüren und ein wenigstens annähernd vollständiges Bild des kulturellen Schaffens Großmährens selbst zu geben, ist die Hauptaufgabe dieses Buches.
Nicht nur die Ruinen von Militärlagern und die ausgeplünderten Trümmerhaufen der römischen Städte in Pannonién und Norikum, sondern auch das zu neuem Leben erweckte Byzanz, die Adria und Norditalien vermittelten unseren Vorfahren Berührungspunkte mit der antiken Zivilisation. Kontakte mit Germanen- und Nomadenstämmen hingegen zeichneten den engeren politischen und kulturellen Rahmen in den Anfängen ihrer Geschichte vor.
Heute wird bereits allgemein anerkannt, daß die Kultur der slawischen Stämme auf unserem Gebiet bei weitem nicht so arm war, wie sie in den Funden der Brandgräber und in den Überresten von Erdbauten in Erscheinung tritt. Ein strenger Ritus und ungünstige Bodenverhältnisse in zweifacher Hinsicht haben das erhalten gebliebene Inventar der Grabfunde wesentlich beschnitten. Und darüber hinaus war auch die Kultur der sich bildenden Klassengesellschaft keineswegs so einschichtig und homogen, wie wir sie uns vor noch nicht allzu langer Zeit vorgestellt haben. Gerade deswegen zögert der