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EINLEITUNG Wer liefi im Schnee erblühn Theokritische zarte Rosen? Wer in der eisernen Zeit hat, sag mir, die goldne erahnt? Diese ersten beiden Verse eines Vierzeilers, den Alexander Puschkin im Jahre 1830 seinem Dichterfreund Anton A. Delwig widmete, könnten alsMotto über der Lebensgeschichte manches Dichters des 19. Jahrhunderts stehen. Uns scheint es, dafi man diese Zeilen mit besonderer Beziehung an den Anfang einer Betrachtung über Eduárd Mörikes Leben und Werk stellen darf. Auch der Dichter Mörike liefi in einer Zeit, die alles andere als golden war, zarte Rosen" erblühn, er, der Nachdichter des von ihm verehrten hellenistischen Idyllikers Theokrit. Und von Mörike ist der Ausspruch überliefert: Einst wird es kommen, dafi auf Érden sich höhere Geschlechter erfreuen." Eduárd Mörike, der so gerne und so lange Zeit fast ausschliefilich als Idylliker klassifizierte deutsche Dichter, hat, wie viele seiner Dichterzeitgenossen, die politischen und gesellschaftlichen Zustánde seiner Zeit so empfunden, wie sie waren, námlich als miserabel. Seine tiefe Sehnsucht nach der goldenen Zeit war die ihm gemáfie Reaktion auf diese Zustánde. Sein verhaltener Protest richtete sich gegen das nur Nützliche" der sich entwickelnden kapitalistischen Gesellschaft, in der dem Profitstreben alles untergeordnet wurde. Dieser Welt stellte er seine dichterische Welt der Schönheit und echter menschlicher Beziehungen entgegen. Aus seinem Werk spricht weder eine Anerkennung der Verháltnisse seiner Epoche noch ein Sich-Abfinden mit ihnen. Freilich gibt es in diesem Werk überhaupt so gut wie keine direkte Auseinandersetzung mit einer Zeit, die reich war an politischen Kámpfen und gekennzeichnet von zunehmenden sozialen und ideologischen Widersprüchen. Wáhrend der Kindheit Mörikes hatte das deutsche Volk in den Befreiungskriegen die Napoleonische Fremdherrschaft abgeschüttelt. Wáhrend seiner Studentenzeit setzten die Deutsche Burschenschaft und das demokratische Bürgertum den Kampf für die nationale Einheit