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EINLEITUNG
Der Zufall spielt mir einen offenen Brief Mertens an Pelle in die Hände. Soweit ich beurteilen kann, ist er nie veröffentlicht worden, und es ist sehr die Frage, ob Pelle ihn überhaupt zu lesen bekommen hat. Er ist ihm, sozusagen, aufs Sterbelager geschrieben worden; und rührend ist es, diese Botschafl eines Mannes an den andern zu lesen, dem er einst so innig verbunden gewesen war wie einem siamesischen Zwilling und der doch von den Umständen seinen eigenen Weg geführt wurde. Sieht man auf das Tun und Treiben der beiden Männer seit der Jahrhundertwende zurück, dann kommen einem die Gegensätze zwisdien ihnen fast ungeheuerlich vor, und man vermag kaum zu begreifen, daß sie überhaupt miteinander haben auskommen können. Pelle, der solide und rechtschaffen wirkte, aber zurückhaltend war In allen seinen Äußerungen, bedächtig wie ein Wiederkäuer und so verschwommen, daß man niemals wußte, ob er es war, der die Massen führte, oder umgekehrt sie es waren, die Ihn führten! Und Morten dagegen: offenherzig und geradezu, klar umrissen In seiner ganzen Kontur, In keiner Weise zu verkennen!
Morten machte niemals aus seinem Herzen eine Mördergrube; es lag Ihm ganz und gar nicht, mit seiner Meinung hinter dem Berge zu halten. Wenn Pelle es Ihm bei Ihren heftigen Zusammenstößen vorwarf und vor allen Zuhörern erklärte, daß Morten kein Politiker sei, dann antwortete Morten lachend: „Diplomat meinst du wohl. Diplomatie Ist für Leute, die zwischen verschiedenen politischen Standpunkten hindurchnavigieren." Nach Mertens Auffassung waren es gerade Pelle und sein Kreis, die keine Politiker waren; sie wollten den heutigen Tag frled-licäi mit der Zukunft vereinen, und daran mußten sie scheltern. Wer ehrlidie Ladung führte und seinen Kurs kannte, brauchte nicht mit gelöschten Lichtern zu segeln.
Wenn eins zum andern kommt, ist vielleicht dies der springende Punkt: Pelle vertraute den Massen nicht ganz und glaubte, man dürfe