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Ein Bericht über die XI. Olym-pischen Winterspiele bedarf,um den roten Faden nicht zuverlieren, der Orientierungs-punkte. Erforderlich sind Mar-kierungen historischer Vor-gänge wie aktueller Ereignis-se, und notwendig ist schließlich dasErspüren von Bedeutung und Charak-ter dieses Festes auf Eis und Schnee. Esbeginnt mit der Ortsbestimmung undführt zu der Geschichte des Landes, derStadt Sapporo und des japanischenSports mit seiner zweiten olympischenSelbstdarstellung nach Tokio 1964.Dann geht es um die Spiele selbst, umdie Sieger und...
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Ein Bericht über die XI. Olym-pischen Winterspiele bedarf,um den roten Faden nicht zuverlieren, der Orientierungs-punkte. Erforderlich sind Mar-kierungen historischer Vor-gänge wie aktueller Ereignis-se, und notwendig ist schließlich dasErspüren von Bedeutung und Charak-ter dieses Festes auf Eis und Schnee. Esbeginnt mit der Ortsbestimmung undführt zu der Geschichte des Landes, derStadt Sapporo und des japanischenSports mit seiner zweiten olympischenSelbstdarstellung nach Tokio 1964.Dann geht es um die Spiele selbst, umdie Sieger und Verlierer, um Gastgeberund Gäste, um das Verhältnis zwischenWollen und Wirkung, und schließlichum die Brücke, die Sapporo zu schla-gen hatte zwischen Mensch und Ma-schine, zwischen Individuum und Indu-strie. Die Bilanz der Spiele zu ziehenheißt die Vorgänge bis zu ihren Quel-len zu erforschen. Sapporo, es sei hierschon gesagt, steht an einem Krisen-punkt in der Entwicklung der Olympi-schen Winterspiele. Der Europäer warein Fremder auf Hokkaido, sein Urteilverlangt nicht nur Ausgewogenheit,sondern auch Rücksicht.Im japanischen Archipel, der sich wieder Bogen eines Riesenschützen ent-lang des asiatischen Kontinents vonNordosten nach Südwesten biegt, istHokkaido, zu deutsch Nordmeer-weg", die nördlichste und am dünn-sten besiedelte Insel, flächenmäßig et-was größer als Bayern, doch mit nurhalb so vielen Einwohnern (4,8 Mil-lionen). Die geographische Ortsbestim-mung kann irritieren, denn HokkaidosMetropole Sapporo liegt auf einerHöhe mit Milwaukee in den USA,Istanbul, Florenz oder Marseille. Hieralso Winterspiele, wo auf dem glei-chen Breitengrad in Europa Palmenwachsen? Hokkaido wird umspült vomPazifik, vom Ochotskischen und Japa-nischen Meer. Uber die Insel wehenkalte trockene Winde aus Sibirien undströmt eisige feuchte Luft vom Bering-meer herüber. Der Schnee ist die At-traktion dieses Landstriches, der nur850 Kilometer oder eine gute Flug-stunde von Tokio entfernt auf derHöhe von Wladiwostok liegt. 200 000Menschen arbeiten hier in der Land-wirtschaft. In der Millionenstadt Sap-poro dominieren Industriearbeiter undKleinhändler. Dazu das Heer von Be-amten. In Sapporo wird Hokkaido ver-waltet. Man produziert Eisen, Stahl,Sperrholz und Düngemittel, konser-viert Fische und stellt Gummistiefelher. Die Milchwirtschaft blüht. Sappo-ros Einwohnerzahl schnellte von 1000im Jahre 1874 auf 1,2 Millionen imOlympiajahr. Die Stadt, nur 74 Meterüber dem Meer gelegen, breitet sich,von Bergen umgeben, wie in der Ver-tiefung eines Suppentellers aus. Diejüngsten Häuser klammern sich schonan die Hänge.Dunkle VergangenheitSapporos Geschichte ist nur 103 Jahrealt. 1869 begann die Besiedlung Hok-kaidos durch nordwärts ziehende Ja-paner, unter ihnen zahlreiche Depor-tierte. 1873 bauten die japanischenKolonisatoren ihr Aka Renga, ihr Ver-waltungsgebäude, in Sapporo; 1878folgte eine landwirtschaftliche Hoch-schule, später die Universität. 1920zählte Sapporo 100 000 Einwohner.Hokkaidos Vergangenheit hatte Ja-pans Gegenwart eingeholt.Die Vergangenheit selbst ist dunkel.Vor den Japanern waren barbarischeStämme auf dieser Nordinsel, dochniemand weiß, woher sie kamen undwohin sie gingen. Mit den Japanern,die ein vorwiegend mongolisches Volksind, dürften sie nur eine geringe ras-sische Ähnlichkeit gehabt haben",schreibt der Amerikaner JonathanNorton Leonard in seiner Geschichtedes alten Japan.Eine dieser Stammesgruppen warendie Ainu, ein Volk der Steinzeit, dasvorwiegend von der Jagd und demFischfang lebte, Bären anbetete undauffallend behaart war, was die mei-sten Japaner nicht sind. Einige Anthro-pologen meinen, daß die Ainu vondenen noch heute einige Reste aufHokkaido leben einen primitivenZweig der weißen Rasse darstellen,der sich schon in frühester Zeit vomkaukasischen Stamm abspaltete. Siedürften von Sibirien aus nach Japaneingedrungen sein." Soweit der Histo-riker Leonard.Man hat in Sapporo ausgerechnet,wann es keine Ainus mehr auf Hok-kaido geben wird. Diese Ureinwohnerdürften, weil selbst nicht seßhaft, auchauf andere japanische Inseln vorge-drungen, aber später dann von korea-nischen Seefahrern wieder nach Nor-den abgedrängt worden sein. Seltsamgenug ist, daß der Bär heute noch aufHokkaido verehrt wie gefürchtet wirdund daß die Holzschnitzereien dieserUreinwohner denen der Eskimos unddenen der mexikanischen Indios äh-neln.Japanische Geschichte ist an Hokkaidoschlecht abzulesen. Missionare der Je-suiten und Franziskaner kamen hiernicht weit, und das Christentum faßtenur im südwestlichen Zipfel der InselFuß. In den Schulbüchern steht etwasvon dem Kami-Kaze, dem göttlichenWind", der, ein Taifun, 1281 die Mon-golen-Armada des Dschingis-Khan-Nachfolgers Kublai-Khan beim Angriffauf Kyushu zerschellen ließ und Japaneinte. Mit Hokkaido hat dies kaumetwas zu tun. Auch Portugiesen undHolländer, sofern sie ins Land gelas-sen wurden, erreichten den Nordmeer-weg nicht. Die ersten Fremden, dienach der Öffnung Japans zur Außen-welt auf Hokkaido landeten, warenAmerikaner. 1880 wurde in Sapporodas Hoheikan gebaut, ein Gästehausin amerikanischem Kolonialstil.Importierter WintersportUnd hier setzt nun die Geschichte desjapanischen Wintersports ein. Impor-tiert wurde er von amerikanischen Wis-senschaftlern, die in Japan lehrten, undvon dem österreichischen Major Theo-dor von Lerch, der seinen japanischenLeutnants das Skilaufen beibrachte.Ein Schützling Lerchs wurde 1912 zumTsukisamu-Infanterieregiment versetzt,das damals in der Nähe von Sapporolag. Er brachte seine Ski mit. Freundeeiferten ihm nach. Schon 1920 fandzwischen Sapporo und Otaru ein40 km-Skimarathon statt. Wenig spä-ter vollzog sich der Anschluß Japansan die internationale Skiwelt. Auf Hok-kaido bildeten sich Gruppen von Spe-zialspringern, Vorläufer jenes YukioKasaya, der in den Tagen der XI. Win-terspiele allein Japans sportlichesImage aufzupolieren hatte. 1928 star-teten sechs Japaner bei den Olympi-schen Winterspielen in St. Moritz. Esfolgten Lake Placid 1932 und Gar-misch-Partenkirchen 1936 und danachdas ungeheure Wagnis, dem Interna-tionalen Olympischen Komitee Sappo-ro als Olympiastadt für 1940 anzubie-ten. Tatsächlich vergab das IOK dieWinterspiele an Sapporo sie wä-ren, man mag den Einwand heute ge-statten, für Japan wohl doch zu frühgekommen. Für Europäer, das ist ge-wiß, war Sapporo vor 32 Jahren einweißer Fleck auf der Landkarte. DerKrieg Japans mit China beendete baldalle Diskussionen.Das war dann 1966 schon anders, alssich auf der Session des IOK in RomSapporo zum zweitenmal bewarb. AlsFavorit galt damals der kanadischeKandidat Banff-Calgary. Aber eineBemerkung von Avery Brundage, demPräsidenten des IOK, die auch für Sap-poro von einiger Pikanterie war,brachte Banff um alle Chancen. DieKanadier, so bemerkte der kühle olym-pische Streiter, würden mit den An-lagen für die Winterspiele in Banff einNaturschutzgebiet zerstören, und dieswiderspreche olympischer Philosophie.Kanadische Tier- und Naturschützerhatten Brundage auf die Gefahr auf-merksam gemacht. Der Präsident desIOK nutzte die Gelegenheit nur zugern, die höchste internationale Sport-instanz auf Umweltschutz und Land-schaftspflege auszurichten. SapporosOlympia-Organisatoren aber drangengleicherweise in NaturschutzgebieteKARL ADOLF SCHERER: OLYMPISCHE HOFFNUNG AM RANDE DER WELTMit der Vergabe der Spiele derXX. Olympiade 1972 nach München hatdie Welt der Bundesrepublik Deutsch-land Vertrauen geschenkt. Die Spielebegannen als wahrhaft heitere Spieleim Sinn der olympischen Idee. Dannlegte sich der Schatten eines ruchlosenVerbrechens auf sie. Unser Mitgefühlgilt den Angehörigen der Opfer unddem ganzen Volk Israel. Dieser An-schlag hat uns alle getroffen. Aber dieolympische Idee ist dadurch nicht wider-legt. Wir sind ihr stärker verpflichtet alszvor. Das Leben braucht Versöhnung.Versöhnung darf nicht dem Terror zumOpfer fallen.En chargeant Munich de l'organisationdes Jeux de la XXeme Olympiade, lemonde a placé sa confiance dans laRépublique Fédérale d'Allemagne. LesJeux commencerent dans une ambi-ance vraiment sereine, dans l'espritmeme de l'idée olympique. Puis, l'om-bre d'un crime abject est tombée surelle. Notre sympathie va aux famillesdes victimes et a tout le peuple d'Israël.Cet attentat nous a affecté tous. Maisl'idée olympique n'en est pas démentiepour autant. Plus que jamais nousavons des devoirs envers elle. La viea besoin de réconciliation. Il ne fautpas que la réconciliation soit victimede la terreur.When Munich was entrusted with orga-nizing the Games of the XXth Olympiad1972 the world placed its faith in theFederal Republic of Germany. TheGames began as truly serene Gamesin the spirit of the Olympic idea. Thenthe shadow of a ruthless crime fell uponthem. Our sympathy goes to the fami-lies of the victims and the entire peopleof Israel. This crime has effected us all,but the Olympic idea has not beendenied by it. We are more than everbound by it. Life needs condonement.Condonement must not fall a victimof terror.Assegnando a Monaco i Giochi dellaXX Olimpiádé 1972 il mondo ha com-piuto nei confronti della Germania Fe-derale un atto di fiducia. I Giochi co-minciarono serenamente, nello spiritodell'idea olímpica. Poi calo su di lorol'o^bra di un delitto infame. Ai fami-lic<- delle vittime e a tutto il popolod'lsraele, va la nostra condoglianza.Questo attentato ha colpito noi tutti.Ma l'ideale olímpico non ne e statotoccato. Noi sentiamo anzi impegnatipiü di prima. La vita ha bisogno dipace. E i tentativi per raggiungerla nondebbono cadere vittime del terrore.Gustav HeinemannPräsidentder Bundesrepublik DeutschlandLe Président de la RépubliqueFédérale d'AllemagnePresident, Federal Republic of GermanyPresidente della Germania FederaleDie Spiele der XX. Olympiade in Mün-chen 1972 versprachen in der Ge-schichte der olympischen Bewegungeinen neuen Höhepunkt zu erreichen.Nie zuvor haben sich mehr Athleten anden Wettkämpfen beteiligt, habenmehr Nationen ihre Mannschaften ent-sandt und haben mehr Menschen andiesem Ereignis Anteil genommen. Esist aber eine traurige Tatsache in unse-rer unvollkommenen Welt, daß, jegrößer und bedeutender die Olympi-schen Spiele werden, sie um so mehrwirtschaftlichem, politischem und nungar noch kriminellem Druck zum Opferzu fallen drohen. Die Spiele wurdentrotz eines terroristischen Überfalls fort-gesetzt, weil wir nicht zulassen können,daß Verbrecher den einzigartigen Kerninternationaler Zusammenarbeit undguten Willens zerstören, den die Spieledarstellen. Die Idee des Amateursportssoll der Welt ein Beispiel geben. Dazuwill auch dieses Buch beitragen.Les Jeux de la XXeme Olympiade 1972a Munich semblaient pouvoir fixer unnouveau sommet dans l'Histoire dumouvement olympique. Jamais encoreautant d'athletes n'ont, en effet, parti-cipé aux compétitions, ni autant depays envoyé leurs équipes, ni enfinautant d'hommes manifesté un si grandintéret a cet événement. Dans notremonde imparfait nous constatons avectristesse que les Jeux Olympiques, dansla mesure ou ils prennent une impor-tance grandissante, risquent de devenirl'objet de pressions économiques, poli-tiques et meme criminelles. Malgré leraid terroriste, les Jeux ont continué,car nous ne pouvions admettre que descriminels détruisent le noyau, uniquedans son genre, de coopération inter-nationale et de bonne volonté que con-stituent les Jeux. L'idée du sport ama-teur doit servir d'exemple au monde.Cet ouvrage s'efforce d'y contribuer.

Termékadatok

Cím: München 72/Sapporo 72 I-II. [antikvár]
Szerző: Karl Adolf Scherer Ulrich Kaiser
Kiadó: Olympische Sport Bibliothek Sport-Informations-Dienst
Kötés: Fűzött keménykötés
Méret: 230 mm x 310 mm
Karl Adolf Scherer művei
Ulrich Kaiser művei
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