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Hegyi Klára - Muslime und Christen [antikvár]

Muslime und Christen [antikvár]

Hegyi Klára, Zimányi Vera

 
EINLEITUNG Gegen Ende des 17. Jahrhunderts vermerkte ein französischer Edelmann, der schon seit zehn Jahren in Persien lebte, in seinen Aufzeichnungen eine ihm vollkommen fremde Erscheinung. In Isfahan besichtigte er das Gewand von Timur Lenk, dem großen Eroberer des ausgehenden 14. Jahrhunderts, und entdeckte, daß dieses dreihundert Jahre alte Stück sich in nichts von der Kleidung der ihm in Isfahan begegnenden, ihn dort umgebenden Leute unterschied. In ihrer Tracht - sei es der Schnitt der Gewänder oder die Farbe und Musterung der...
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EINLEITUNG Gegen Ende des 17. Jahrhunderts vermerkte ein französischer Edelmann, der schon seit zehn Jahren in Persien lebte, in seinen Aufzeichnungen eine ihm vollkommen fremde Erscheinung. In Isfahan besichtigte er das Gewand von Timur Lenk, dem großen Eroberer des ausgehenden 14. Jahrhunderts, und entdeckte, daß dieses dreihundert Jahre alte Stück sich in nichts von der Kleidung der ihm in Isfahan begegnenden, ihn dort umgebenden Leute unterschied. In ihrer Tracht - sei es der Schnitt der Gewänder oder die Farbe und Musterung der Stoffe - hielten die Perser an den jahrhundertealten Traditionen fest. Dem europäischen Reisenden, an rasche Veränderungen der Mode gewöhnt, fiel überall vom Osmanenreich bis nach Japan das unveränderte Erscheinungsbild der Trachten auf. Andererseits äußerten sich die Menschen aus dem Morgenland mißbilligend über die Modemacherei der Europäer, in der sie lediglich ein Zeichen der Leichtfertigkeit und Unbeständigkeit sahen. Zwei Welten, geographisch und inhalthch gleichermaßen weit entfernt, betrachteten einander mit staunenden Augen: die europäische, deren häufigere Veränderungen auch die Äußerlichkeiten immer wieder erneuerten, und die orientalische, wo die gesellschaftlichen Umwandlungen nur mit langen Jahrhunderten zu messen sind, wo der langsame Gang der Veränderungen die Umgestaltung nicht einmal bei den Bekleidungsbräuchen zuließ. Das Osmanische Reich lag in der Berührungszone dieser beiden Welten. Seine Begründer machten sich am Ende des 13. Jahrhunderts vom Grenzgebiet Europas und Asiens auf den Weg, die Nachfahren breiteten sich in diesen beiden Kontinenten und in Afrika aus. Unterdessen wirkten vielerlei Einflüsse auf sie ein und als sie sich in immer weiteren, neuen Provinzen einrichteten, mußten sie sich vielen fertig übernommenen Gegebenheiten anpassen. Es ließe sich schwerlich behaupten, daß sich während des sechs Jahrhunderte langen Bestehens ihres Reiches nichts ereignet und es überhaupt keine Wandlungen gegeben hätte, doch wurden diese Veränderungen größtenteils durch äußere Faktoren ausgelöst. Die inneren Kräfte der nach asiatischem Typ aufgebauten osmanischen Gesellschaft reichten nur zu ebenso schwerfälligen, langsamen Umgestaltungen aus wie in den anderen orientalischen Gesellschaften. Die Ähnhchkeit mit der orientalischen Weh ist durch denselben Grund bedingt: den fast vollständigen Mangel an privatem Grundeigentum. Im Osmanischen Reich gehörte das Land dem Sultan — der Verkörperung des Staates —, der daraus teils das Einkommen seiner Schatzkammer, teils den Lebensunterhalt seiner Soldaten und Amtsträger sicherte. Letzteres in der Weise, daß er ihnen Dienstgüter ohne Eigentumsrecht verlieh, der Belehnte also bloß die Einkünfte des Gutes genoß. Der Sultan konnte die Be-schenkung jederzeit rückgängig machen oder das Gut gegen ein anderes umtauschen. Ein halbes Jahrtausend lang praktisch so gehandhabt, bewährte sich dieses Prinzip. Gleichsam als die Regel bekräftigende Ausnahmen, konnten bis ins 18. Jahrhundert nur die Mächtigsten sich nach europäischen Maßstäben mittelgroße oder kleine Privatbesitze (mülk) erwerben. Eine Burg oder 5

Termékadatok

Cím: Muslime und Christen [antikvár]
Szerző: Hegyi Klára Zimányi Vera
Kiadó: Corvina Kiadó
Kötés: Vászon
ISBN: 963132317x
Méret: 190 mm x 250 mm
Hegyi Klára művei
Zimányi Vera művei
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