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EIN ERSEHNTER GASTNach dem Frühstück, wie jeden Morgen, las Monsieur deGirardin seine Post; er las ohne rechte Aufmerksamkeit, mehraus Pflichtgefühl.Plötzlich spannte sich sein Gesicht in freudiger Überraschung.Konnte es sein? War es möglich? Monsieur de Girardin hattees nicht zu hoffen gewagt. Aber es war so, er hielt die guteBotschaft in Händen: Jean-Jacques kommt! Da stand es, seinFreund Lebegue hatte es ihm geschrieben: der hochverehrteMann, der Größte der Lebenden, Jean-Jacques Rousseau kommt!Monsieur de Girardin ging auf und ab, den Brief in der Hand,und las ihn wieder und wieder.Die Philosophie dieses Jean-Jacques Rousseau hatte tief ein-gegriffen in sein Leben. René-Louis, Marquis von Girardin, Grafvon Vauvré und Brégy, Seigneur von Ermenonville und von an-dern Herr- und Liegenschaften, war am Hofe des Königs vonPolen in Lunéville Erster Kämmerer und Kommandant der Leib-garde gewesen. Er hatte ein ausgefülltes, vielbeneidetes Lebengeführt. Aber als er es mochten jetzt zwölf Jahre her sein vertraut geworden war mit den Büchern Jean-Jacques', des Bür-gers von Genf, hatte er die Leerheit dieses seines Lebens erkannt,und es war ihm, wie so vielen andern, der Sinn des Daseins auf-gegangen. Die Welt war verrottet durch Zivilisation; wollte mandas quälende Gefühl der Ödnis los werden, dann mußte manzurückfinden zur Einfachheit, zur Natur. Und der Marquis hatteden Hof von Lunéville verlassen, um sein Leben nach den Lehrendes Meisters zu formen. Er befürwortete politische Neuerungen,wie Jean-Jacques sie predigte in seinem Buch Der Gesellschaf ts-vertrag", er bildete seinen Sohn und Erben Fernand aus nachden Prinzipien, die Jean-Jacques verkündete indem Erzieh ungs-