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Vorwort Kalidasas Beschreibung der schneebedeckten Berggipfel des Kailasa als des »gefrorenen Gelächters Shivas« läßt sich auf das gesamte Land Nepal übertragen, das die gemeinsame Ausgangsform der indischen und der nepalesischen Kultur bewahrt hat. Die meisten Götter und Göttinnen, die in Nepal durch Feste und Riten geehrt werden, sind daher in Nepal und Indien die gleichen. Natürlich gehört zur Kunst Nepals auch ein Bereich, der durch die Nähe des Landes zu Tibet gefärbt Ist; dies Ist eine Schatzkammer des animistischen Bonpo und ein Mischtyp des tantristischen Buddhismus.
Dieses kulturelle Erbe kreist gleichsam in den Adern von Lain Singh Bangdel, dem Autor dieses. Buches, der von Kindesbeinen an mit der Erhabenheit und den ewigen Mysterien des Hl-malaya, mit dem Farbenkaleidoskop des Rhododendron und dem Spiel der Nebelwolken und dem silbernen Sonnenschein des Kathmandu-Tales vertraut ist. Bangdel hat den Frieden und die Ruhe Buddhas in sich aufgenommen, das Erbarmen des Macchendranath-Lokeshvara und die Tatkraft des Pashupati-Shiva, der meistverehrten Gotthelten Nepals. Im weiteren setzte er sich mit indischer und europäischer Kunst auseinander und repräsentierte als Maler von Ruf in sich eine seltene Kombination der Theorie und der Praxis der Kunst. So ausgerüstet, nutzte er sein Wissen und sein Empfindungsvermögen zu einem umfassenden Studium der Entwicklung der nepalesischen Kunst in ihren verschiedenen Erscheinungsformen -Skulpturen, Bronzen, Terrakotten, Gemälde und Denkmäler - vor dem Hintergrund der Geologie, der Ethnographie, der Geschichte und der Traditionen des Landes.
Das Tal von Kathmandu, der Sitz der Kultur und der Kunst Nepals, gleicht einem großarti-
gen Freiluftmuseum. Fast alle Straßen, Gassen und Wege sind mit Bilddenkmälern ausgestattet, die entweder direkt am Wegrand stehen oder in Schreinen und Klosterbauten aufbewahrt werden, wobei die letzteren oft nicht von königlichen Palästen zu unterscheiden sind. Der Autor ist viel und ausgiebig gereist und hat jeden Winkel und jede Ecke des Tales durchforscht. In diesem Buch wurden die meisten dieser Bilddenkmäler und andere Kunstobjekte Nepals beschrieben und klassifiziert sowie ihre Datierung und Ihr Stil erörtert. Der Autor hat in großem Umfang seine eigene Erfahrung und seine Intuition als Künstler genutzt, um die Chronologie dieser Kunstentwicklung vom Standpunkt eines Künstlers festzulegen. Sein chronologisches Gerüst, gestützt auf Stil und Technik, hat eine eigene Logik und einen eigenen Zusammenhang, allerdings weichen daher seine Datierungen in einigen Fällen von denen ab, die von anderen Gelehrten vertreten werden. Dies Ist ein bedeutsamer Aspekt dieses Buches, das mit echter Aufmerksamkeit studiert zu werden verdient, und zwar von allen Studenten der asiatischen Kunst im allgemeinen und der Nepali-Kunst im besonderen, vor allem wegen seiner originellen und erfrischenden Betrachtungsweise. Ich würde dieses anschauliche und umfassende Werk ohne Zögern jedem empfehlen, der einen vollständigen Eindruck von den verschiedenen Zweigen der Kunst und Kultur Nepals aus einem Einzelwerk gewinnen möchte, das mit liebevollem Einfühlen geschrieben und mit Geschmack illustriert worden ist.
Krishna Deva Varanasi, g. März 1984