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SANTA CROCE
Florenz ist die Stadt, in der Geschichte immerfort währende Gegenwart ist. So braucht es keine umständliche Veranstaltung, um das längst vergangene Leben eines Florentiners zu erfassen, es genügt, wenn einer mit offenen Augen durch die Stadt wandelt. Der unsterbliche Geist Toskanas hat es verstanden, alles was vergangene Generationen ge-schafFen haben, in klugen Verhältnissen derart anzuordnen, daß man im Gehen den innersten Geheimnissen dieser Stadt ganz nahe zu sein meint. Vielleicht daß dabei die Liebe mitwirkt, mit der die Söhne von Florenz ihre Heimat umfingen, sodaß ihre Hervorbringungen niemals sterben können, auch wenn einzelne Florentiner gelegentlich heftig und gehässig über ihre Vaterstadt herfielen. Aber man tadelt wahrhaft nur da, wo verletzte Liebe im Spiel ist. Wo jedoch eine große und reiche Liebe im Schaffen lebendig ist, da kann kein noch so ferner Betrachter gleichgültig bleiben und indem er schaut belebt sich die starre Fassade des endgültig und für immer Geschaffenen, hinter den abgeklärten Formen werden menschliche Gesichter sichtbar, die mit zärtlicher Sorge, mit undurchdringlichem Hochmut, mit selbstbewußtem Stolz, aber auch mit zerquältem und vergrämtem Herzen ihr Werk in die Zukunft begleiten und in einem glücklichen Moment ganz unbefangen mit dem Betrachter Zwiesprache pflegen, wie auch der geschäftige Florentiner der Gegenwart doch nie so eilig ist, daß er kein Auge hätte und kein Ohr für die lebendige Hintergründigkeit seiner Stadt. Gewiß ist auch Bewunderung am Werk in dieser Beziehung; Bewunderung hebt aber allzu oft die innere Zwiesprache wieder auf. Und wie der heutige Florentiner noch immer die Sprache Dantes spricht, sodaß die „lingua toscana" nicht nur Würde, son-