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Nach mancherlei Zögern, nach Kontroversen, Ausflüchten und uneingestandener Unsicherheit vergab die Schwedische Akademie im Jahr 1901 den ersten Nobelpreis für Literatur an Sully Prudhomme, René-François-Armand Prudhomme, Mitglied der Académie Française. Diese Entscheidung wurde in Stockholm am IG. Dezember 1901 bei der ersten allgemeinen Verleihung der Nobelpreise bekanntgemacht. Eine namhafte schwedische Tageszeitung kommentierte den Vorgang : »Die Wahl fiel nicht aufTolstoi, nicht auf Ibsen, sie fiel weder aufBjörnson, Mommsen und Swinburne noch auf Zola oder Anatole France, auch nicht auf Carducci, Mistral oder Hauptmann, nicht einmal auf Eche-garay - sondern auf Sully Prudhomme. Man muß noch froh sein, daß nicht François Coppée der Erwählte ist; es hätte durchaus passieren können, daß er von der Schwedischen Akademie, so wie sie heute aussieht, seiner harmlosen Sentimentalität wegen als der Primus angesehen worden wäre.«
Hinter dieser Feststellung mit ihren Negationen und der Anspielung im letzten Satz verbarg sich eine lange Folge von Auseinandersetzungen. Sie gab einen Einblick in die innere Verfassung der Nation, die mit der Preisverleihung beauftragt war, und beleuchtete ungefähr auch die literarische Situation im Heimatland des Preisträgers. Frankreich schien fur den Literaturpreis ausersehen gewesen zu sein, und so kann die literarische Nachwelt sich fragen, warum nicht ein Emile Zola oder ein Anatole France den begehrten Lorbeer erhalten hat. Die literarische Kritik sprach jedoch eine andere Sprache als die offiziellen Instanzen jener Zeit. Der Nobelpreis war eine ganz besondere Pflanze, sie vegetierte auf akademischem Boden, war von allerlei Gedanken-