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ERSTER TEIL
OSTENDE
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Der Zahlmeister nahm die letzte Landungskarte entgegen und beobachtete die Passagiere, wie sie über ein Gewirr von Schienen und Weichen hinweg den feuchten grauen Kai überquerten und um verlassen dastehende Güterwagen bogen; sie gingen mit hochgeschlagenen Mantelkragen und gebeugten Schultern. In den langgestreckten Waggons brannten auf den Tischen die Lampen und glühten gleich einer Kette blauer Perlen durch den Regen. Ein riesiger Kran schwang seine Last herum und senkte sie dann; das Rasseln seiner Winde übertönte für einen Augenblick das alles durchdringende Rauschen des Wassers — des Wassers, das aus dem wolkenverhangenen Himmel fiel, das gegen den Rumpf des Kanaldampfers und gegen den Kai schlug. Es war vier Uhr dreißig nachmittag.
»Mein Gott, das soll ein Frühlingstag sein«, sagte der Zahlmeister laut vor sich hin, während er sich von den Eindrücken der letzten Stunden zu befreien suchte, dem triefnassen Schiffsdeck, dem Geruch von Dampf und Öl, dem schalen Bier in der Bar, dem Knistern von Seide, das zu hören war, wenn die Stewardeß mit Blechschüsseln in den Händen hin und her eilte.
Er ließ den Blick die stählernen Kranschäfte hinaufwandern bis zur Plattform und der winzigen Gestalt im blauen Arbeitsanzug, die oben ein großes Rad drehte, und empfand ein ungewohntes Gefühl des Neides. Der Mann dort oben war durch zehn Meter Nebel und Regen vom Zahlmeister, den Reisenden und dem langgestreckten, hellerleuchteten Expreßzug getrennt. »Ich kann von ihren verdammten Gesichtern nicht loskommen«, dachte der Zahlmeister und erinnerte sich dabei des jungen Juden im dicken Pelzmantel, der sich darüber beschwert hatte, daß man ihm eine Zweibettkabine zuweisen wollte — für die zwei gottverlassenen Stunden der Überfahrt.