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GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK Einen kurzen Überblick über die Geschichte von Paris zu vermitteln ist niclií ganz einfach, denn nur \ ven ige Stadte habén so viele Ereignisse zu verzeichnen, die den Verlauf der Geschichte so mafigebend beeinflufiten. Höchstwahrscheinlich wurde die Stadt von den Galliem gegründet, die einen kleinen Ort am linken LJfer der Seine bauten. Bald darauf erschienen hier schon die Römer unter Julius Cásar, der in seinem De Bello Gallico dem Ort den Namen Lutetia gibt. Die fortwáhrenden Bedrohungen durch die Barbarenhorden veranlafite die Bevölkerung nach und nach dazu, den Stacltkern auf die Ile-de-la-Cité zu verlegen, von wo aus sich die Bewohner langsam an beiden Flufiufern ausbreiteten. Die Königsfamilien der Merowinger sowohl wie die der Karolinger hatten hier ihre einfachen Wohnsitze, aber zur eigentlichen Hauptstadt wurde Paris erst, als Hugó Capet hier im Jahre 987 eine neue Dynastie gründete. Von diesem Zeitpunkt an hat die Stadt nie wieder inti Verlauf ihrer langen Geschichte diese Stellung verloren. Ein stetiger Aufstieg der Stadt lufit sich von diesem Augenblick an fest st ellen, nicht nur in urbanistischer, sondern auch in kultureller Hinsicht. Mit der Besteigung des Thrones durch Philipp II. August (von 1180 bis 1223) erlebte Paris einen seiner glanzvollsten Augenblicke: jetzt wurde mit dem Bau des Louvre begonnen, und im Jahre 1215 folgte die Grundsteinlegung der Universitat. Neue Glanzzeiten folgten mit der Herrschaft Ludwig IX., auch Ludwig der Heilige genannt (von 1226-1270), der wáhrend seiner Regierungszeit die Sainte Chapelle bauen sowie die Arbeiten an NotreDame vorantreiben liefi. Unter der Dynastie der Valois erlebte Paris eines der traurigsten Kapitel in seiner Geschichte: im Jahre 1358 fand ein Aufruhr unter der Anführung des Pariser Kaufmanns Etienne Marcél statt. Kari V. stellte die Ordnung wieder her, indem er -unter anderem-auch die Bastille errichten liefi. Aber der Friede dauerte nicht allzulange. Der Bürgerkrieg zwischen den aufrührererischen Partéién von Armagfia c und denen von Burgund wurde abgelöst durch die Besetzung Frankreichs durch England, und Heinrich der VI. liefi sich 1430 in Notre-Dame zum französischen König krönen. Im Jahre 1437 eroberte endlich Kari VII. Paris zurück, aber erneut erfolgten Tumulte und immer blutigere Aufstande, die sich mit der Pest und anderen schrecklichen Seuchen abwechselten und das ohnehin schon geschwachte Volk totál erschöpften. Wáhrend des ganzen 16. Jahrhunderts spielte sich dann das gesellschaftliche und höfische Leben mehr auf den LoireSchlössern, die sich die verschiedenen französischen Kőit ige hatten bauen lassen, als in Paris ab. Damil hörten aber die fortwáhrenden Parteienkámpfe in der Stadt nicht auf. Die Ausbreitung des Protestantismus schuf anfangs erbitterte und blutige Religionskámfe. Diese ereigneten sich nicht nur in Paris, sondern in ganz Frankreich und gipfelten in dem Hugenotten-Gemetzel am 24. August 1572, der berühmten Bartolomaus-Nacht. Nachdem Heinrich III. in St. Cloud durch den jungen Jacques C lement im Jahre 1589 er mordét worden war, wurde die Stadt vier Jahre lang be lágert, um endlich ihre Tore für Heinrich IV. zu öffnen, der seinem Glauben abgeschworen hatte und zum Katholizismus übergetrétén war. Am Anfang des XVII. Jahrhunderts záhlte Paris aber immerhin schon 300.000 Einwohner. Die Stadt bekam immer mehr Bedeutung als kulturelles und politisches Zent rum, besonders durch den Einflufi des Kardinals Richelieu, der 1635 die Académie Fran<;aise gründete- deren Mitglieder unsterblich genannt werden. Wáhrend der Dynastie der Bourbonén vergröfierte sich die Stadt abermals; im Jahre 1715, wáhrend der Regierungszeit Ludwig XIV. záhlte sie bereits eine halbe Millión Einwohner. Aber seinen Platz in der Geschichte eroberte sich Paris zweifellos im Jahre 1789 mit dem Anbruch der Französischen Revolution, die man zu Recht als den Beginn eines neuen Zeitalters betrachtet. Man spricht vom 14. Juli dieses Jahres als dem Beginn der Revolution, weil das Volk an diesem Tag die Bastille, das Symbol des Absolutismus und des Terrors, stürmte. In den folgenden Jahren iiberstürzten sich die Ereignisse: die Monarchie wurde gestürzt, die Herrschaft des Terrors begann und wurde von den Tcigen des Thermidor abgelöst, und in kiirzester Zeit verscliwanden die Figuren, welche die politische Szenerie von Paris beherrscht hatten, auf immer. Wie auch immer die Stadt in diesen Jahre gelitten habén mochte - unmenschlichen Jahren, in denen viele wertvolle Kunstwerke verloren gingen - alles war vergessen beim Anbruch des Kaiserreichs. Im Jahre 1804 wurde Napoleon von Papst Pius VII. in Notre-Dame zum französischen Kaiser gekrönt, und eine Zeit glanzvollen höfischen Lebens begann. In der Zeit von 1804 bis 1814 wurde die Stadt um ein Kunstwerk und Gebáude nach dem anderen bereichert: auf Place Vendöme wurde die Saulé aufgestellt, der Arc de Triompf wurde erbaut, die Arbeiten am Louvre gingen weiter. Dort wurde auch in dem prunkvollen Sálon Carré die Hochzeit zwischen Napoleon und Marie-Luise von Österreich gefeiert. Auch clie folgenden Monarchien unter Kari X. und Louis-Philipp Bourbon-Orléans brachen zusammen, es folgte die zweite Republik, Darauf bestieg Napoleon der Dritte den Thron. Wáhrend seiner Regierungszeit wurde der Báron Haussman damit beauftragt, den Wiederaufbau der Stadt in die Hand zu nehmen und