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Raffael [antikvár]
 
Vorwort Selten ist der Ruhm eines Künstlers durch die Jahrhunderte so ungetrübt geblieben wie der Raffaels. Sein Stern leuchtete über alle Stilschwankungen der europäischen Kunst hinweg, gelegentlich wurde er durch Sterne gleicher Ordnung überstrahlt, nie aber ganz verdunkelt. In seinem Werke ist ein Maß an Vollkommenheit erreicht, wie es so nur noch den großen Leistungen der Antike nachgerühmt wurde. Das 16. Jahrhundert war noch unmittelbar erfüllt von Raffaels Nachruhm, seine ersten Biographien wurden geschrieben, und 1598...
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Vorwort Selten ist der Ruhm eines Künstlers durch die Jahrhunderte so ungetrübt geblieben wie der Raffaels. Sein Stern leuchtete über alle Stilschwankungen der europäischen Kunst hinweg, gelegentlich wurde er durch Sterne gleicher Ordnung überstrahlt, nie aber ganz verdunkelt. In seinem Werke ist ein Maß an Vollkommenheit erreicht, wie es so nur noch den großen Leistungen der Antike nachgerühmt wurde. Das 16. Jahrhundert war noch unmittelbar erfüllt von Raffaels Nachruhm, seine ersten Biographien wurden geschrieben, und 1598 gelangte eine Anzahl seiner Werke in die Uffizien, 1631 kamen weitere in den Besitz der Medici. Die überragenden Künstler des 17. Jahrhunderts, Rubens und Rembrandt, nahmen sich seine Werke zum Vorbild, und in der Mitte dieses Jahrhunderts erweiterten die großen fürstlichen Sammler ihre Bestände an Werken des Meisters, so Philipp IV. von Spanien, Ludwig XIV. von Frankreich und Christine von Schweden. Im 18. Jahrhundert sah der Klassizismus in seinen Kartons das nachahmenswerte Vorbild edelster Zeichenkunst. Die Romantik des 19. Jahrhunderts war zutiefst berührt von der jugendlichen Anmut und der Glaubensinnigkeit seiner Madonnen. Kunstkenner bemühten sich, das Werk des Meisters von dem der Schüler und Werkstattgefährten zu scheiden, und früh schon war der Künstler und sein Werk Gegenstand ernster Untersuchungen der noch jungen Kunstgeschichte. Doch der grenzenlosen Verherrhchung, die Raffael gerade im 19. Jahrhundert erfuhr und die nicht immer frei von sentimentaler, ins Triviale abgleitender Anbetung war, folgte am Ende des Jahrhunderts eine heftige Ablehnung, in engem Zusammenhang mit dem Entstehen der modernen Kunst. Raffael erschien nun in seinem klassischen Stil als ein erster Vertreter jenes Akademismus, den man selbst bekämpfte. Zur gleichen Zeit aber erreichte das wissenschaftliche Bemühen um Raffael und sein Werk eine neue Qualität, sein Oeuvre wurde kritisch gesichtet und publiziert. Schon 1883/85 waren die beiden Bände »Raphael. Sein Leben und Werk« von J. A. Crowe und G.B. Cavalca-selle in Leipzig erschienen. Th. Hofmann veröffentlichte ab 1900 vier Bände über Raffaels Leistungen als Architekt, 1906 gaben J.Rosenberg und G.Gronau ihre Raffael-Monographie heraus, und 1910 begann O.Fi-schel die neunbändige Ausgabe der Zeichnungen des Meisters; »Raphaels-Zeichnungen, Versuch einer Kritik« vom gleichen Autor war bereits 1898 vorausgegangen. Kurth und Oberhuber setzten die Arbeit Fischeis fort. Und mancher Vertreter der Neuen Sachlichkeit sah insgeheim in Raffael sein großes Vorbild, dem er auf seine Weise zu folgen versuchte. Heute gilt es, in jenem umfassenden Prozeß der Erberezeption, in dem der Renaissance nicht zufällig besonderes Gewicht zukommt, auch das Werk Raffaels sich erneut anzueignen. Dabei sollten uns weniger die unterschiedlichen Meinungen späterer Autoren bewegen als die Werke, die uns der Meister hinterheß. Es sollte uns darum gehen, welche Werte das Werk des Urbinaten birgt, die unabhängig von ihrer einstigen zeitbedingten Aktualität noch heute und auch in Zukunft bedeutsam sind, unter welchen Umständen es entstand, wie der Mensch war, der es schuf, in welcher Weise er mitten-inne stand in den gesellschaftlichen Prozessen seiner Zeit und wie er sein gewaltiges Werk vollbrachte. Wir gestehen durchaus ein, daß es nach der Kunstentwicklung des 20. Jahrhunderts nicht leicht fällt, sich dem Werke Raffaels zu nähern, sich darin zu versenken, es in seiner Qualität zu erfassen, es auszudeuten und zu erschließen, erscheint doch gerade das, was seine Größe ausmacht und durch Jahrhunderte Bewunderung erweckte, heute für die Kunst kaum noch von Belang zu sein, große künstlerische Form, Harmonie, Schönheit, die Unterordnung eigener Subjektivität unter ein erkanntes und anerkanntes Gesetz. Ist er nicht einer der letzten, deren Werk ganz den Sinn jener Worte erfüllte, die für Winckelmann das Wesen der Kunst des klassischen Altertums bezeichneten: »Edle Einfalt und stille Größe«? Auch die eigenen Erfahrungen des Autors mit Raffael, von denen ja das Buch ausgehen muß, waren unterschiedlich, ja zwiespältig. Es sei erlaubt, etwas ausführlicher auf diese Erfahrungen einzugehen. Die ersten Begegnungen mit seinem Werke waren nicht ohne Schwierigkeiten; aber in sicher jeweils anderer Art setzt das Begreifen von Größe und Reife in ihrer höchsten Vollendung auch ein gewisses Maß an eigener Reife voraus. Und nicht auf jeder Lebens- und Erfahrungsstufe vermag man sich in gleicher Weise jedem Kunstwerke zu nähern. Es gibt wohl Wahlverwandschaften, die den Zugang zur Kunst erleichtern - ob immer auch das volle fei »Wie freigiebig und gütig der Himmel sich bisweilen erweist, indem er auf einen einzigen Menschen den unendlichen Reichtum seiner Schätze, alle Anmut und seltenen Gaben häuft, die er sonst in langem Zeitraum unter viele Einzelne zu verteilen pflegt, sah man deutlich an dem ebenso herrlichen als anmutigen RAFFAEL Sanzio von Urbino. Ihm war von der Natur alle jene Güte und Bescheidenheit verliehen, die bisweilen solche schmückt, die mehr als andere eine gewisse Menschenliebe eines liebenswürdigen Wesens mit dem schönsten Schmuck einer anmutigen Leutseligkeit verbinden, so daß sie sich den verschiedenen Personen gegenüber, wie in allen Dingen, stets liebreich und wohlgefällig erweisen. Solches Geschenk macht die Natur der Welt, als sie von der Kunst durch Michelangelo Buonarroti besiegt worden war, und wollte, daß sie in Raffael von Kunst und guten Sitten überwunden würde.« Giorgio Vasari Ernst ü Ilmann VEB E.A.Seemann Verlag • Leipzig 1983

Termékadatok

Cím: Raffael [antikvár]
Kiadó: VEB E. A. Seemann Verlag
Kötés: Vászon
Méret: 250 mm x 310 mm
Bolti készlet  
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