Bővebb ismertető
EINLEITUNG
In der Nacht vor seiner Geburt träumte der Mutter von dem Planeten Venus, und man hieß ihn Tai-bo, den »Großen Glanz«. Delphine trugen den Ertrinkenden, von Genien geführt und von Sphärenmusik begleitet, gen Himmel. Dazwischen ein Leben höchster Ehren — der Kaiser selbst fächelt ihm das Essen kühl — und des tiefsten Elends — in den Brokatgewändern seines Gönners liegt er vertrieben am Straßenrand —: So stellt sich im allgemeinen das Bild jenes Mannes dar, der uns an erster oder zweiter Stelle genannt wird, wenn wir nach den großen Dichtern Chinas fragen. Die Wirklichkeit ist weniger einfallsreich. Und wenn sich die Phantasie nur an den außergewöhnlichen Menschen entzündet, so bleiben diese doch ihrer Umwelt verhaftet. Wir begreifen weder das Leben Li Tai-bos ohne Kenntnis der Kultur und Gesellschaft, in denen es sich abspielt, selbst dann, und eben dann, wenn der Dichter sich ihnen entzieht; noch begreifen wir sein Werk ohne Kenntnis der literarischen Tradition, aus welcher er schöpft, selbst dort, und eben dort, wo er sie kraft seines Genies durchbricht. Jugend und Mannesalter fallen mit dem Goldenen Zeitalter der chinesischen Kultur zusammen. Ein Jahrhundert politischer Machtentfaltung war ihm voraufgegangen: Im Jahre 618 hatte Li Yüan, Sohn eines nordchinesischen Aristokraten und einer Türkin, die Dynastie der Tang begründet. Den Sieg über seine Gegner verdankte er in erster Linie der Tatkraft seines Sohnes, zu dessen Gunsten er 627 auf den Thron verzichtet und der als Tang Tai-dsung sich als einer der fähigsten Herrscher nicht nur in der Geschichte Chinas erweisen soll. Er treibt die Grenzen des Reiches weit nach Innerasien vor; in Kaschgar und Jarkänd liegen chinesische Garnisonen. Die fremden Völker