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ARCHITEKTURBILD VON PIERO DELLA FRANCESCA (1420-92) Aus dem Kaiser-Friedrich-Museum, Berlin
SCHAUSEITEN VON GESCHÄFTS- UND WOHNHÄUSERN IN DER REIHE ODER ALS ABSCHLUSS EINER REIHE
Das vorliegende photographische Skizzenbuch möchte dem häufigen Begehren des Büchermarktes nach einem „Fassaden-Werke" nachkommen. Es enthält Fassaden von Häusern, die sich für einen Standort in der Reihe, d. h. also in der Straßenzeile, oder als Abschluß einer Reihe eignen. Hier soll nicht wieder auf die Gefahren des „Fassaden-Denkens" und auf die Notwendigkeit kubischen, dreidimensionalen Gestaltens — namenthch freistehender Bauten! — hingewiesen werden. Vielmehr soll hier die Tatsache anerkannt werden, daß die Straßen und Plätze der modernen Stadt Räume darstellen, also kubisch geordnete und, leider, andere — meist zerfetzte — Räume, deren Wände (wenn sie nicht aus lebendem Grün bestehen) eben Gebäude mit „Fassaden" sind. Diese Wände oder „Fassaden" können in tausend verschiedenen Arten behandelt werden, einfach oder geschmückt, eintönig oder farbig, nackt oder reich profiliert, mit zahlreichen oder wenigen Durchbrechungen; die äußere Erscheinung dieser Wände kann die innere Einteilung und die Zwecke des dahinter liegenden Baues ausdrücken oder verschleiern; diese Fassaden können sich zwischen ihre Nachbarn harmonisch einfügen, oder ihr Künstler kann rücksichtslos neue, besser oder schlechter klingende Saiten anschlagen, unruhig und wild, sachlich oder unsachlich sein. Kurz: es gibt geschmackvolle und geschmacklose „Fassaden", wobei die „Geschmäcker" und die Vorstellungen von Sachlichkeit heute ungewöhnlich verschieden zu sein scheinen. Da solche Fassaden nun einmal unvermeidlich und täghch vor unseren Augen sind, da die künstlerische Wirkung nicht nur der Straßen und Plätze, sondern auch der öffentlichen Gebäude, die das Stadtbild beherrschen sollen, von diesen „Fassaden" abhängt, lohnt es sich wohl, über ihre Gestaltung ernsthaft nachzudenken oder, besser, das Auge für sie zu schulen.
Es ist ein beliebter Wahn, im Altertum habe es kein „Fassaden-Denken" gegeben. Wer aber einen Querschnitt eines großen griechischen Steintempels (Abb. 5) anschaut, kommt leicht zu der