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EINLEITUNG
Vasari sagt von Giovanni Bellini: da er sich darauf verlegt habe, Bildnisse nach dem Lehen zu malen, habe er in Venedig den Anstoß zu dem Brauche gegeben, daß wer irgendeinen Rang hatte, sich von ihm oder andern malen ließ. daher es denn in allen Häusern Venedigs viele Bildnisse gebe und man in vielen Palästen der Edelleute die Großväter und Väter bis zur vierten Generation sehe, in einigen vornehmeren sogar noch viel weiter zurück. Vasari widerspricht sich insofern, als er andeutet, daß dieser Brauch in der Aristokratenrepublik schon vor Giovanni Bellini bestanden hat, allerdings mit Beschränkung auf Persönlichkeiten von Bedeutung. - Die Verewigung bestimmter Persönlichkeiten mit dem Streben nach Individualisierung reicht in Italien in die Zeit der Giottesken, vereinzelt noch weiter, zurück. Die von Pietro Aretino am Ausgang der Renaissance (1545) in einem Briefe an den Bildhauer Leone Leoni gestellte Forderung (,,Der Griffel darf keinen Kopf zeichnen, den nicht zuvor der Ruhm gezeichnet hat, und man glaube nicht, daß die antiken Dekrete zugegeben hätten, daß Leute in Metall nachgebildet würden, die dessen nicht würdig sind. Schande über dich, Jahrhundert, das du duldest, daß sogar Schneider und Metzger lebensgetreu gemalt erscheinen !'') war für den Anfang des Zeitalters selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich aber war es, daß mit der zunehmenden Bewußtheit des Individuums und seinem mächtig wachsenden Ruhmverlangen die Freude am eigenen Bildnis und der Wunsch, außer den eigenen Zügen auch die der Familienmitglieder der Nachwelt zu überliefern, immer weitere Kreise zog. Wie weit dies ging, erfahren wir wiederum aus Vasari. Nachdem dieser erwähnt hat, daß Verrocchio Gipsabgüsse von Händen, Füßen, Knien usw. zu machen pflegte, um danach zu arbeiten, fährt er fort: „Zu seiner Zeit begann man dann mit geringen Kosten die Köpfe der Sterbenden abzuformen, und so sieht man in jedem Haus zu Florenz auf den Kaminen, Türstürzen, Fenstervorsprüngen und Gesimsen unzählige solcher Bildnisse, so gut hergestellt und natürlich, daß sie lebendig scheinen. Seitdem ist dieser Brauch in Übung gekommen und besteht weiter. Mir hat er die Arbeit erleichtert, da ich so die Bildnisse vieler bekam, die in den Historien im Palaste des Herzogs Cosimo figurieren. Man muß Andrea sicherlich sehr dankbar dafür sein, der einer der ersten war, der diese Abgüsse in Gebrauch zu bringen begann. Verrocchio selbst hat allein für die Mediceer,,zwanzig Masken nach der Natur abgenommen" ge-
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