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Die Geburt:
«Ich gehe ihr kaum acht Tage.»
Kanonenböller und Gewehrschüsse haben am 10. Januar 1919 meine Ankunft ins Leben begleitet. Es war die unruhige Zeit der Revolution. Die Geschosse schlugen in unserem Haus auf dem Dachboden ein. Der Generalstreik wurde ausgerufen und es fuhren keine Verkehrsmittel, auch nicht die Dampfbahn zwischen Potsdam und dem Potsdamer Bahnhof in Berlin. Deshalb musste mein Papa an diesem Tag nach Hause laufen, von seiner Arbeitsstätte in Spandau bis zur Kremmener Straße in Mitte.
Mein Bruder Fritz und meine Schwestern Lene und Liesel warteten am Küchenfenster auf den Klapperstorch, der mit mir durch den Schornstein aus dem Ofen kommen sollte. Wenn Mutti schreit, so wurde ihnen erzählt, dann hat der Storch sie ins Bein gebissen, damit sie merkt, dass ein Baby da ist. Ich war ein ungebetenes Baby, denn es gab schon vier Kinder. Ein Sohn war ganz früh gestorben. Meine Mutter hatte einen Abbruch versucht, aber ohne Erfolg. Ich kam mit einem Gewicht von nur drei Pfund auf die Welt. Brutkästen für untergewichtige Neugeborene gab es zu dieser Zeit noch nicht. So war Mutti sicher sehr erleichtert, als die Hebamme ihr sagte: «Ihrem Kind gebe ich höchstens noch acht Tage.» Das war das erste von vielen ärztlichen Fehlurteilen, die mich ein Leben lang begleiten sollten.
Offensichtlich habe ich aber gute Gene geerbt. Mein Vater wuchs auf einem großen Bauernhof auf. In der Nazizeit wurden er und seine zehn Geschwister umfassend untersucht.
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